Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 180 (sequence 8)
- Language
- German
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180 Im deutschen Reich. lausten Rechnung Zu tragen, und dementsprechend die Bewilligungen und Zuschüsse erhöht. Trotzdem auf unsere Bitten sowohl in der Stadt Hannover wie in den Landgemeinden Lehrer und Synagogengemeinden in dankenswerter Weise die schulentlassene Jugend zur Wahl eines Handwerks ermuntern, ist in der abgelausenen Periode ein merklicher Rückgang von Anträgen aufBewilligung von Unterstützungsgeldern und Zuschüssen zu bemerken/' Die gehässigen Schlüsse, die von der antisemitischen Presse aus diesem „Rückgang" gezogen werden, sind aber grundfalsch. Als die Zunftschranken sielen, fiub Zahlreiche Juden dem von ihnen stets hochgehaltenen Handwerk zugesührt worden und haben sich in diesem so bewährt, daß sie nicht nur im Kunsthandwerk, sondern auch als Baumeister, Zimmermeister, Klempnermeister heute eine hervorragende Stellung einnehmen. Selbst das Organ Stöckers konnte dieser Tage nicht umhin dafür Zeugnis abzulegen, indem es berichtete: „Prachtvolle Adressen sind dem Kaiserpaar zahlreich übergeben worden. Sie waren großenteils bei D emuth sowohl wie von anderen Firmen hergestellt. Die Werkstätten des Hofbuchbinders Collin glichen einem kleinen Museum. Hier wurden Adressen hergestellt in geschnittener, getriebener und eingelegter Lederarbeit, mit Handvergoldung :c. Die Mehrzahl dieser Adressen war in Entwurf und Ausführung selbständige Schöpfung von Collin." Wenn solche gewerbliche Erfolge den Juden heute weit schwerer als vor Jahren erreichbar sind, tragen daran nur die die Schuld, die in den Werkstätten die Ghettoschranken wieder aufgerichtet und ein „Banausentum" geschaffen haben, das die christlichen Handwerkerweit wehr schädigt, als der durch die Gewerbefreiheit herbeigeführte, fast schrankenlose Wettbewerb anderer fähiger bezw. kapitalkräftiger Unternehmer. Wie der Gewerbetreibende, so werden auch die Unterbeamten von den Antisemitischen Parteiführern umworben und zu Parteizwecken mit ihrer gegenwärtigen Lage erst unzufrieden gemacht und mit teilweise unerfüllbaren Versprechungen gefüttert. Das neue Programm der Stöckerschen „Staatsbürger- Zeitung" enthält eine bezügliche Verheißung; außerdem erteilte der frühere Pastor und jetzige Druckereibesitzer, der Abgeordnete Krösell in einer großen Versammlung der mittleren Beamten Groß-