Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 179 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 179 ist, so wird für das antisemitische Parteigeschäst die Fortsetzung dieses Jmpfgeschäfts doch als unentbehrlich erachtet. Deshalb schaltet auch die „Staatsbürger-Zeitung", die am 15. Februar in den Besitz der christlich-sozialen Zeitung „Das Reich", G. m. b. H., — d. h. in den des früheren Hofpredigers D. Adolf Stöcker übergegangen ist, in ihr neues Programm die Sätze ein: „Nach wie vor sollen die Wünsche der wirtschaftlich Schwachen, besonders die des Mittelstandes, in ihr eine kräftige Fürsprecherin finden, die ohne Scheu nach oben und unten ihre Meinung sagen und durchsetzen wird." In dem Programm findet sich die neue Losung: „Christentum, Vaterland, Monarchie" fett gedruckt, was sehr begreiflich ist, da an die Stelle von Wachler, Lauterer und Henriei nun die Pastoren Stöcker, Burckhardt und Lizentiat Mumm das Blatt leiten, die mit dem heidnischen Wotansdienste nichts zu schaffen haben dürfen und nicht nur den Juden Fehde ansagen, sondern allem „was unchriftlich denkt und unchristlich handelt." Wir maßen uns kein Urteil über „christliches Denken und Handeln" an, vermuten aber, daß es zahllose, hochverständige christliche Deutsche gibt, die christliches Denken und Handeln mit blödem Judenhaß völlig unvereinbar finden. Diesen Haß in die Kreise der Gewerbetreibenden immer wehr hineinzutragen, betrachten aber die Leiter der anisemitischen Organe „Staatsbürger-Zeitung", „Das Reich" und „Deutsch-Soziale Blätter" (Deutsches Blatt), Stöcker und Liebermann von Sonnenberg, als eine ihrer Hauptaufgaben und nennen dies eine würdige Vertretung des „Mittelstandes". Sie haben es auch schon so weit gebracht, daß in den meisten kleineren Werkstätten sich eine so judenfeindliche Gesinnung kundgibt, daß selbst die ärmsten jüdischen Eltern sich scheuen, dort ihre jungen Söhne der Verspottung und Mißhandlung preiszugeben. Nur diesem traurigen Umstande ist es zuzuschreiben, wenn der „Verein zur Förderung des Handwerks unter den Juden in der Provinz Hannover" in dem Berichte über seine Tätigkeit erklärt: „Es ist eine unerfreuliche Ausgabe, offen zu bekennen, daß die Klagen, welche in dem letzten Berichte vom November 1902 ausführlich geschildert wurden (und die dahingingen, daß trotz namhafter Unterstützung so außerordentlich wenig Judenkinder sich dem Handwerk zuwenden), in verstärktem Maße hervorgetreten sind. Wir haben uns bemüht, den veränderten Zeit-