Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 178 (sequence 6)
- Language
- German
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178 Im deutschen Reich. Netz der Reaktion gelockt worden sind und noch immer aufs neue gelockt werden. Die Versuche der Handwerker, in einer MiLLelstandsvereiniguNg sich politisch selbständig Zu organisieren, haben sich bisher wenig erfolgreich erwiesen, was einzelne große politische Parteien selbstverständlich ermutigt, sich als die einzigen berufenen Retter des Mittelstandes anzupreisen. Die „Konservative Korrespondenz" schreibt: „Wir glauben aussprechen zu dürfen, daß eine solche Bewegung, wie alle bisherigen Erfahrungen gelehrt haben, eine Gewähr für ihren Bestand nicht in sich trägt und daß sie wehr zur Zersplitterung der dem Mittelstände dienstbaren Kräfte führt, als zu einer Zusammensassuug der dem Mittelstände Angehörigen. Je mehr besondere Jnteressentengruppen entstehen, die auf die Wahlen Einfluß ausüben wollen, desto mehr werden die Chancen derjenigen positiven Parteien verschlechtert, aus welche sich bis jetzt schon der Mittelstand Zuverlässig stützen konnte und die nach wie vor die Interessen des Mittelstandes vertreten." Bon den Organen des Zentrums, der Christlich-Sozialen und der antisemitischen Fraktion wird ähnliches vorgebracht; auch die Nationalliberalen haben zu gleichem Zweck bei der jetzigen Beratung des JustiZetats durch den Abg. Bassermann ihre Verdienste um das vor 11 Jahren beratene, aber heute noch nicht vorbereitete Gesetz zur Sicherung der Bausorderungen in Erinnerung bringen lassen. Der „Deutsche Antisemitenbund" sieht diesen Wettbewerb offenbar sehr ungern; in einer seiner Versammlungen erklärte sein Wortführer Wilhelm Bruhn: „Die sozialpolitischen Debatten des Reichstages haben leider gezeigt, daß in den Kreisen der Regierung noch immer nicht genügend Verständnis für die berechtigten Forderungen des Mittelstandes, der besten Stütze des Staates im Kampfe gegen die Sozialdemokratie, vorhanden ist." Zu der Erkenntnis, der die antisemitische Magdeburger „Sachsenschau" Ausdruck verleiht: „Das Schreien des Mittelstandes nach SLaatshilse ist albern und töricht", hat sich der „Deutsche Antisemitenbund" aber noch nicht aufraffen können oder wollen. Natürlich — denn wenn auch die Gesundung des Handwerks durch Einimpfung antisemitischen Giftes keineswegs gefördert worden