Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 175 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 175 seine tiefen Studien über das „Interieur" der Börsenmänner gemacht, und ob er mit den ihm befreundeten Großgrundbesitzern nur bei Aschinger sich restauriere, verriet er nicht, obgleich er bei dem Eingang seiner Rede versprochen hatte, aus seinem Herzen keine Mördergrube machen zu wollen. Hatte die agrarische Korona die regierungsfreundlichen Aeußerungen Diedrich Hahns bejubelt, so begrüßte sie doch noch weit stürmischer die gegenteiligen beinahe antimonarchischen Malicen, die der Reichstagsabgeordnete Graf Reventlow vorbrachte, als er betonte, daß es zur Erzielung guter Beziehungen zu Amerika nicht genüge, Professoren auszutauschen, jenseits des Ozeans galante Schiffstaufen vollziehen und Deutschland besuchende amerikanische Kapitalisten ehrfurchtsvoll begrüßen zu lassen. Darauf lenkte vorsichtiger Weise v. Bodelschwingh-Schwarzhiese! wieder in das antisemitische Fahrwasser ein, indem er es als eine nationale Pflicht bezeichnete, die Stellung zum Judentum einer gründlichen Revision zu unterziehen. Nicht mit Unrecht betonte unter dem Eindruck aller dieser Aeußerungen der Abg. Liebermann von Sonnenberg, daß er gar nicht mehr antisemitische Schlagworte in den Mund zu nehmen brauche, denn die von ihm ausgesüete Saat sei bereits aufgegangen. Das ist in der Tat der Fall und keineswegs eine bedeutungslose Prahlerei. Der Antisemitismus der „Deutsch- Sozialen" hat zwar dem Antisemitismus der agrarischen Junker nur als Schwungbrett gedient, aber dadurch ist die Lage weder für die deutschen Juden noch für das gesamte liberale Bürgertum um einen Deut günstiger geworden. Immerhin dürste die Zeit nicht mehr fern sein, in der die durch das Kompagnie- Geschäft mit den Agrariern gründlich genarrten antisemitischen Fraktionen erkennen werden, wem sie eigentlich Vorspann geleistet und wie wenig sie den „Mittelstand" gefördert haben. Es ist insbesondere nicht abzusehen, welchen Vorteil es für die Bernssinteressen.deutscher Handwerker und junger Kaufleute haben kann, die ohnehin bedeutende Macht der Großgrundbesitzer zu verstärken, diesen dazu zu verhelfen, fast alle Lasten von sich abzuwälzen und sie mehr und mehr dem Handel und der Industrie aufzubürden! Herr Liebermann von Sonnenberg, der seit Jahren zwischen den Agrariern und