Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316744--14903-2336474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
176 Im deutschen Reich. den Deutsch-Sozialen den Vermittler wacht, hätte diese Erkenntnis nicht verhüten können, wenn ihm nicht stets der Mandathunger seiner antisemitischen Genossen zu Hilfe gekommen wäre. Der Leiter des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Berbaudes, Wilhelm Schack, dankt zweifellos der Unterstützung des Bundes der Landwirte Sitz und Stimme im Parlament, scheint aber diese Ehre teuer erkauft zu haben. Wie die „Frankfurter Zeitung" berichtet, wurde seine Wahlkandidatur nur dadurch ermöglicht, daß von Hamburg aus sehr geschickt an die „politische Opferwilligkeit" der deutsch-nationalen Handlungsgehilfen appelliert wurde. Die 13000 Mk. Wahlkosten — bei 23000 Wahlberechtigten ein ganz anständiger Preis, der auf die Kostspieligkeit der berufsmäßigen Agitatoren einen Schluß Zuläßt — konnte die „Partei" des Herrn Schack nicht ausbringen. Der Bund der „notleidenden" Landwirte griff damals inoffiziell in die Tasche und befreite die deutschnationalen Wahlstreiter aus der Finanzklemme. Aber der Tag der Stichwahl, der mit dem angeblich sozialdemokratischen Putsch auf dem Karlsplatz Zu Eisenach begann und mit einer Champagnerkneipe im „Thüringer Hof" endigte, ist noch nicht bezahlt. In den vertraulichen „Mitteilungen für die Vertrauensmänner des Verbandes" für Januar 1906 äußerte sich deshalb der Ausschuß wie folgt: „Der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Schack hat als unangenehme Folge seiner Wahl noch für die Deckung von 2000 Mark Wahlschulden Zu sorgen. Er möchte diese Deckung nicht irgendwo beantragen, wo ihm Verpflichtungen irgend welcher Art daraus erwachsen könnten. Andrerseits muß die Sache in diesem Monat oder doch Anfang Februar aus der Welt geschafft sein, wenn nicht üble Nachreden entstehen sollen. Wir Handlungsgehilfen sind es unserm Führer doch wohl schuldig, neben der Ehrung durch die Schackspende auch diese Summe Geldes aufzubringen, und wir bitten unsere Freunde daher ebenso herzlich wie dringend, sich nur nicht einer auf den andern zu verlassen, sondern aus jeder Stadt etwas zur Tilgung der Schuld nach Hamburg einzusenden, damit die Sache in den nächsten Tagen erledigt werden kann, bevor unserm Führer Wilhelm Schack größere Unannehmlichkeiten erwachsen." Im Anschluß an diese Darlegungen erwähnt die „Frankfurter Zeitung" eine Mitteilung der „Lotterie-Post", in der darauf hingewiesen wird, daß eine von dem Verbände am 1. April ausgeschriebene Hausbau-