Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 166 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Im deutschen Reich. sollten (das sind die nachgelieferten Stücke): diese Schmuckstücke seien von Hirsche! und seinen Sachverständigen Zu hoch taxiert worden, und er verlangte eine Verfügung, daß sie von neuem abgeschätzt werden sollten; was an 3 000 Thlr. fehle, müsse von Hirsche! nachgezahlt werden. Man sieht, zu welcher unglaublichen Verdrehung der Tatsachen Voltaire seine Zuflucht nahm, wie er seine Phantasie ZU dem schmutzigsten Lügengebilde ausnützte, um nur seine eigene Stellung wieder Zu festigen. Nicht genug, daß er in solcher Handlungsweise den Gegner am Vermögen Zu schädigen suchte, — unmittelbar darauf beantragte er den Arrest gegen „seinen säumigen Schuldner," und Hirsche! wurde aus Verfügung des Kammergerichtspräsidenten verhaftet. Dies konnte Voltaire auch nur gelingen, da er seinen persönlichen Einfluß auf Richter geltend machte, die noch nicht einmal mit seiner Sache Zu tun hatten. Die Haft wurde einige Tage später wieder aufgehoben, nachdem Hirschels Vater eine Kaution in Juwelen vom Werte der strittigen Summe hinterlegt hatte. Am 4. Januar begannen die gerichtlichen Verhandlungen, die nach Anordnung des Königs nicht einem ordentlichen Gerichte, sondern einer für gewisse Fälle bestehenden Kommission unter Vorsitz des GroßkanZlers von Coccesi übertragen waren. Hirsche! leugnete standhaft, von Voltaire die Wechsel als Darlehen empfangen Zu haben, und verlangte von Voltaire Zum Beweise dessen die Herausgabe der Konvention über den Ankauf von Steuerscheinen. (Diese aber hatte der Schlaue rechtzeitig beseitigt, und er erklärte, sie sei weder je vorhanden gewesen, noch etwa beseitigt worden.) Ebenso könne von einem Darlehen nach dem 16. Dezember keine Rede sein, vielmehr werde seine Gefälligkeit, nicht gefallende Juwelen umzutauschen, in so schmählicher Weise gemißbraucht. Und nun beobachte man, wie der mehr und mehr in die Enge getriebene Dichter sich der Beweise erwehrt. Hirschel bringt ein Schreiben Voltaires zu den Akten bei: „Man. mußte nicht versprechen Zu 35 Louis und darauf sagen 30; man mußte nicht sagen 30 und am anderen Tage 25; man mußte sie wenigstens zum lausenden Preise geben, wenn man auf dem Platze war, was sehr leicht war." Da entsteht nach Voltaire plötzlich aus dem Steuerscheinhandel ein — Juwelen-, später auch ein Pelzwarenhandel. Wie leicht konnte Hirschel die Lächerlichkeit dieser Behauptung dartun, da