Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 165 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316744-2336379--14888-2336463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Voltaire und die Juden. 165 Voltaire auszuliefern; den Wechsel seines Vaters bezahlte er nach Abzug der noch nicht fälligen Zinsen (103 Thlr. 12 Grsch.) teils in bar (1 450 Thlr.), teils in Juwelen (2 860 Thlr.), für einen kleinen Rest lieferte er noch ein Flacon. lieber diese Abrechnung wurde eine gegenseitige „Generalguittung" gegeben, „daß jede Rechnung unter ihnen beglichen sei." Voltaire bewilligte auch bei dieser Gelegenheit eine gewisse Provision für Hirschels Bemühungen, und alles wäre wohl im Guten geregelt worden, wenn der Kammerherr und Günstling Friedrichs II. nicht in Gefahr gewesen wäre, seine Gunst zu verlieren; es war um seine angenehme Stellung geschehen, wenn er sich nicht seinem Gönner gegenüber reinigen konnte. So begann er denn damit, Hirschel mit den gelieferten Juwelen zu chikanieren; sie seien zu hoch Laxiert; er möge sie Umtauschen. Es wurden ihm andere vorgelegt, er behielt zunächst diese, bestellte noch neue, gab alte zurück, und schließlich ließ er sich am 19. Dezember von Hirschel einen Schein über Juwelen im Werte von fast 3 000 Thlr. ausstellen, die ihm seitdem geliefert waren und an Stelle der alten im Werte von 2860 Thlr. hatten treten sollen. Doch Voltaire war auch jetzt noch nicht zufrieden. Nochmals wurde Hirschel gerufen, nochmals wurden neue Juwelen geliefert, und am 24. Dezember wurde ein neuer Schein ausgestellt, der sich auf die neuesten Lieferungen bezog. Inzwischen hatte Hirschel seine Verpflichtung noch nicht erfüllen können, die Wechsel über 10 009 Thlr. zurückzuliefern. Er hatte diese sogleich nach Empfang an zwei Bankiers gesandt, von denen einer jede Diskontierung ablehnte, der andere gab 2000 Thlr. bar, den Rest wollte er „parat" halten. Die Wechsel gingen dann nach Paris, um dem Notar Delaleu präsentiert zu werden. Am 12. Dezember wurden sie nun vorgelegt; inzwischen aber waren sie protestiert worden und wurden infolgedessen nicht eingelöst; im Januar mußten sie noch einmal präsentiert werden, ehe sie Zurückgesandt wurden. Hierauf gründete Voltaire seine Aktion; denn er mußte bald handeln, da der Jude, von seinem Gegner aufs schmählichste mißhandelt, mit der Klage beim Könige drohte. Er reichte also seinerseits die Klage auf Herausgabe der Wechsel ein, die er Hirschel als Darlehens!) gegeben habe; ferner habe er Hirschel nach der Abrechnung vom 16. Dezember 3 000 Thlr. geliehen, die ihm in Juwelen zurückgezahlt werden