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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 164

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Voltaire und die Juden
Date
1906-03-01
Page
164 (sequence 3)
Language
German
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164 Im deutschen Reich. Schutzjude Hirschel gegenüberstand, und daß da eine bewußte oder unbewußte Voreingenommenheit die Erkenntnis der vollen Wahrheit verhinderte. Soviel ist gewiß: es kann keine lückenlosere Charakteristik Voltaires geben, als sie sich aus den zu den -Akten gegebenen Schriftsätzen ergibt, und es ist wohl der Mühe wert, daraufhin die Akten eingehend Zu berrachten. Der noch junge Abraham Hirschel betrieb in Berlin einen Juwelenhandel. Voltaire hatte mit ihm — wie auch schon mit seinem Vater — Handelsbeziehungen angeknüpft, die 1750 einen jähen Bruch erlitten. Im Dresdener Frieden war Preußen die Bedingung Zugestanden worden, daß die in preußischen Händen befindlichen sächsischen Steuerscheine zum Nennwerte ausgezahlt werden sollten. Um jeden Mißbrauch mit dieser Bedingung zu verhindern, hatte der König bald darauf den nachträglichen Ankauf solcher Papiere unter hohe Strafe gestellt. Gleichwohl war Voltaire schnell entschlossen, im Geheimen die Spekulation zu wagen, die seiner Ueberzeugung nach reichen Verdienst bringen mußte. Er beauftragte Hirschel, nach Dresden zu reisen, um dort die Papiere 35% unter pari anzukaufen, und gab ihm zu diesem Zwecke statt baren Geldes Wechsel im Betrage von 40 000 Frcs. und einen solchen, den vorher Hirschels Vater dem Dichter gegeben hatte, im Betrage von 4 430 Thlr. Hirschel ging auf den unlauteren Handel ein, da er sich durch die Person seines Auftragsgebers geschützt meinte, der selbst guten Grund hatte, die Sache nicht ruchbar werden zu lassen; vor allem aber erwartete er von dem Geschäfte einen dauernden Vorteil: Voltaire hatte die letzten Bedenken durch den Hinweis auf sein nahes Verhältnis zum König hinmeggescheucht, bei dem er ihn zu empfehlen versprach. Es wurde eine förmliche Konvention abgefaßt, und Hirschel machte sich auf die Reise. Es gelang ihm aber nicht, die gewünschten Scheine zum angegebenen Preise zu erlangen. Zu seinem Glücke! Denn unterdessen hatte der König von dem Geschäfte gehört, und Voltaire mußte den Vertrag rückgängig zu machen suchen, um hernach zu leugnen, daß er überhaupt je bestanden habe. So protestierte er, ohne Hirschel zu verständigen, die ihm ausgestellten Wechsel, und dieser war nicht wenig verwundert, als er nach seiner Rückkehr hiervon benachrichtigt wurde. Wenige Tage darauf, am 16. Dezember, rechnete nun Hirschel mit Voltaire ab. Er versprach, die ihm ohne ein Unterpfand übergebenen Wechsel aus 10 000 Thlr. (40 000 Frcs.) an

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