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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 163

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Voltaire und die Juden
Date
1906-03-01
Page
163 (sequence 2)
Language
German
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Voltaire und die Juden. 163 vielleicht schmerzlich berührt werden, wenn nicht immer mehr die Beweggründe ans Licht kämen, die diesen Mann Zu seinen Ausfällen führten: Maßlose Habsucht und unbegrenzter Geiz nahmen ihm das Verständnis für Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit gefangen, und wir können nicht aufhören, uns darüber zu wundern, daß ein an Geist hochragender König Jahre hindurch mit ihm in vertrauter Freundschaft ausharren konnte. Naturgemäß hat man schon früher nach den Ursachen dieses Judenhasses Voltaires geforscht, und man glaubte, ihn aus persönliche Erfahrungen Zurückführen zu können, die der Dichter und Gelehrte im geschäftlichen Verkehre mit Juden gemacht habe. Voltaire berichtet selbst mehrfach von zwei Füllen, in denen er von Juden übervorteilt zu sein vorgibt. Das eine Mal, behauptete er, habe er während seines Londoner Aufenthaltes an einen Juden namens Medina an 20 000 Francs verloren; er habe dem Juden kaum gezürnt, sei vielmehr über den Fall gerührt gewesen. In Wirklichkeit hat sich von der ganzen Angelegenheit nichts erweisen lassen; und man hat guten Grund, daran zu zweifeln, daß der Sachverhalt richtig von ihm dargestellt wurde, wenn nicht sogar daran, daß dem Bericht überhaupt ein wahrer Kern Zugrunde liegt. Wie wenig Zuverlässig Voltaire gewesen ist, wie er mitunter sogar die Wahreit mit Füßen getreten hat, Zeigt der andere Fall, der Prozeß mit dem Schutzjudeu Hirfchel. Der Gang dieses Rechtshandels war uns bisher nur auf Grund einer alten auszugsweisen Darstellung nach den Akten bekannt. Danach mar nicht mit Sicherheit zu entscheiden, auf welcher Seite das Recht lag; aber es schien, als ob auch der Gegner Voltaires nicht rein aus dem Prozesse hervorgegangen sei. In wesentlich anderem Lichte bietet sich uns jetzt der Fall dar, nachdem uns die noch vorhandenen Akten Zugänglich gemacht worden sind. Allerdigs hat ihre Veröffentlichung nicht völlige Klarheit schaffen können*), da teils wichtige Stücke in den Akten fehlen, teils auch bei der außerordentlichen Verwickelung der Fragen die damaligen Richter selbst kein fehlerfreies Bild von der Sachlage gewonnen zu haben scheinen. Vielleicht kam auch hinzu, daß dem gefeierten Voltaire nur der *) Wilh. Mangold, Voltaires Rechtsstreit mit den: Königlichen Schutzjuden tzirschel 1751° Berlin 1905° E. Frensdorff.

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