Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 146 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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146 Im deutschen Reich- Gabriel, er gehörte in Hessings Nathan, dieser himmlisch christliche Jude! Er war unser bester Redner." Zweimal hintereinander wurde Rießer neben Gagern und Simson, dem „geborenen Präsidenten", zum Leiter der Verhandlungen gewählt. Nach seinem Vorgänge sinden wir seitdem in Deutschland wiederholt Juden an der Spitze von Abgeordnetenversammlungen eines Landes oder einer Stadt. So jahrelang den Bankier Wolsskehl in Darmstadt als Präsidenten des hessischen Landtags, Di*. Straßmann neun Jahre lang an der Spitze der Berliner Stadtverordneten, im Präsidium der Hamburger Bürgerschaft Wolfsohn und Hinrichsen, andere jüdische Stadtverordnetenvorsteher in Breslau, Königsberg, Posen un) anderen Städten. Nicht unerwähnt lassen will ich Hermann Trier, der vor Kurzem wieder einmal Präsident des dänischen Reichstags geworden ist. Wenn ein moderner vielgepriesener Historiker (Treitschke) von der Einseitigkeit der jüdischen Auffassungsgabe spricht, der wir so gute jüdische Advokaten zu danken hätten, so widersprechen dieser Behauptung die Tatsachen. Als glänzender Gegenbeweis darf auf Rießer hingewiesen werden, der unter den schwierigsten Verhältnissen das Steuer der Diskussion mit starker Faust und seltenem Geschick handhabte und jeder Auffassung gerecht wurde, alles persönlich Verletzende zu vermeiden wußte. Dies zeigte sich besondersin seiner berühmten sogenannten Kaiserrede am 21. März 1849 in der entscheidendsten Verhandlung über das ganze deutsche Leben, wo Rießer in stundenlanger Ausführung, oft von stürmischem BRfall unterbrochen, für die Festsetzung der deutschen Reichsverfaffung durch einen Gesamtbeschluß und Verständigung mit den deutschen Fürsten eintrat. Ein gewiß urteilsfähiger Zeitgenosse (Biedermann) erklärt diese Rede für die beste, die in der Paulskirche gehalten worden. Alle Zuhörer waren bis ins tiefste Mark erschüttert, viele zu Tränen gerührt; als Rießer die Rednerbühne verließ, stürzte Gagern ihm in die Arme, alle Freunde drängten sich an ihn, uw ihm Glück zu wünschen. Der Hamburgische Gesandte wohnte der Verhandlung in der Diplomatenloge bei, und nach dem Schluffe kamen seine Kollegen zu ihm, ihn zu beglückwünschen, daß Hamburg einen solchen Redner geboren habe. Unter den Deputierten, welche dern König von Preußen die Kaiserkrone antragen sollten, befand sich auch Rießer. Auf