Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 147 (sequence 19)
- Language
- German
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Gabriel Ri eher. 147 der Reise nach Berlin äußerte er in Hannover einem Bekannten gegenüber, es war am 1. April - : „Ich fürchte, wir werden in den April geschickt." Seine Befürchtung bestätigte sich. Der König lehnte die angebotene Würde ab. Gegen dieses Wirken Rießers in den Sturmjahren 48/49 tritt seine Tätigkeit im Erfurter Parlament in den Hintergrund, ebenso sein späteres politisches Auftreten, welches sich in der Hauptsache aus seine Vaterstadt Hamburg beschränkt, deren Verfassung er mitgeschaffen hat. Im Jahre 1860 wurde Rießer Mitglied des Hamburger Obergerichts. Er, dem 1829 die Zulassung zur Advokatur versagt worden war, wurde jetzt in die höchste Richterstelle berufen und empfand so an seiner eigenen Person den Sieg der Sache, für die zu kämpfen er sich zur Aufgabe seines Lebens gemacht hatte. Noch kurz vorher chatte er dem preußischen Justizminister gegenüber die Befähigung der Juden für das Richteramt verteidigt. Jetzt war er der erste jüdische Richter in Deutschland: ein schönerer Lohn seines Strebens konnte ihm nicht werden. Er sollte diese Freude nicht lange überleben. Am 28. April 1863 verschied der Edle nach kurzem Leiden, bis zum letzten Atemzuge von treuen Freunden liebevoll gepflegt. Seine Beisetzung fand unter einer Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung statt, wie sie Hamburg bis dahin nicht erlebt hatte. Neberall, vom äußersten Rußland bis zum fernsten Amerika, wurden Trauerfeiern und Sammlungen zu einer Rießer-Stiftung - veranstaltet, der wir eine vortreffliche Ausgabe seiner wichtigsten Schriften und Reden verdanken. Wenn wir nun fragen: „Was ist von Rießers Werk geblieben? wie wirkt sein Leben und Streben in den Gestaltungen der Gegenwart fort?", so läßt sich freilich nicht mit Daten und dürren Ziffern im einzelnen genau bemessen, inwieweit sein Geist hier und da an der Durchführung der Emanzipation der deutschen Rietzer kurz vor seinem Tode.