Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 142 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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142 Im deutschen Reich. uns Anderen aber, die wir uns selbst Zu ernähren im Stande sind, wäre die Sache vollkommen gleichgiltig. Ueberhebt uns der gesonderten Armenpflege, macht auch dem traurigen Umstande ein Ende, daß zu Euren Großen nur unsere Reichen Zugang haben und iw Falle der Not das Wort für ihre Glaubensgenossen führen können, — ein Umstand, der fürwahr nicht in unserer Verehrung vor dem Gelde seinen Grund hat — dann würden wir den ganzen Plunder des Reichtums ohne alles Bedauern in Eure Gemeinde übergehen sehen, der uns nicht mehr nützt, als Euch." „Wenn es," so sagt Rießer an einer andern Stelle, „gerade die Reichen, die Gelehrten sind, auf deren Uebertritt die herrschende Kirche so großen Wert legt, so müssen wir das, nicht sowohl wie einen Triumph für die letztere, als vielmehr wie eine für ihre Würde und ihren moralischen Wert bedenkliche Erscheinung halten. Seit wann ist denn die Religion vorzugsweise Sache der Vornehmen und der Gebildeten geworden? Das Evangelium, heißt es, ward den Armen, den Unwissenden, den gebeugten Herzen gepredigt!" Und wenn der Staat um der Fehler einzelner willen der ganzen jüdischen Gesamtheit ihr Recht vorenthült, so zitiert Rießer dagegen die Worte des damaligen württembergischen Ministers des Innern: „Freilich gibt man (in der Schule) nur den fleißigen Schülern Prämien, aber in keiner Schule wartet man mit der Prämienverteilnng, bis alle Schüler fehlerfrei sind." Diese Zeitschrift „Der Jude" hat auf die Emanzipation der Juden in den einzelnen Staaten durch Klärung der Ansichten und Entkräftung der Vorurteile eine unermeßliche Wirkung erzielt. Wir entnehmen dies nicht nur den Aeußerungen von Abgeordneten, welche laut bekannten, seitdem sie Rießer gelesen, seien sie von ihrer Abneigung gegen die Emanzipation geheilt. Wir schließen es am sichersten aus der begeisterten Dankbarkeit, welche Rießer überall in jüdischen Kreisen begegnete. Dies zeigte sich besonders auf seiner Reise durch Deutschland und Oesterreich im Jahre 1832. Frankfurt a. 931., welches für die westdeutschen Juden den Vorort bildete, wie für die Juden des östlichen Deutschlands Berlin, Frankfurt feierte Rießer durch ein Ehrenmahl und Ueberreichung eines kunstvollen, von Professor Oppenheim, dem bekannten Meister der Bilder aus dein jüdischen Familienleben,