Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 143

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Gabriel Rießer
Date
1906-03-01
Page
143 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316744-2336372--14854-2336441
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gabriel Rießer. 148 eMworfenen silbernen Becher. Von besonderer Bedeutung wurde für Rießer sein Aufenthalt in der Wiener Gemeinde, deren Zustände er in seinen „Skizzen aus Oesterreich" schildert. Er hatte nämlich, durch eine gewisse Opposition, die sich in Frankfurt a. M. bemerkbar machte, entmutigt, sich entschlossen, die Fortführung der Zeitschrift aufzugeben. In Wien gelang es aber dem Zureden Jsak Noah Mannheimers, ihn zur Fortsetzung seines Werkes zu bestimmen. Die folgenden Jahre gaben Rießer Gelegenheit, gegen Judenfeinde vom Schlage Pfizers und Menzels die literarische Ehre seiner Brüder zu verfechten, wie er bisher ihre politischen Rechte vertreten hatte. Doch den Höhepunkt seines Lebens und Wirkens bezeichnet das in der Geschichte Deutschlands und insbesondere der deutschen Juden ewig denkwürdige Jahr 1848. Rießer war nach 17 jähriger Abwesenheit von Hamburg im Jahre 1840 vom Hamburger Senat als Notar zugelafsen worden und hatte dadurch, wie für seine materielle Existenz, so für seine politische Wirksamkeit eine sichere Basis gewonnen. Man hatte seine Bewerbung um das Notariat in den jüdischen Kreisen Hamburgs für aussichtslos gehalten und auf ihn so wie seine jüdischen Mitbewerber witzig jene Stelle aus der Schrift (2. Mose, 14, 28) und dem täglichen Morgengebet angewandt, die da von dem Troß Pharaos am roten Meere sagt: „Keiner von ihnen ist übrig geblieben", in der portugiesischen Aussprache: echad mehem lo notar, in dem Doppelsinn: „Keiner von ihnen wird Notar". Reisen ins Ausland, die ihn in diesen Jahren dreimal allein nach England führten, brachten ihm reichen Gewinn an politischer Einsicht. Als nun am 10. März 1848 ein Komitee badischer Abgeordneter zusammentrat, um alle Mitglieder gesetzgebender Körperschaften in den deutschenLanden und außerdem eine bestimmte Anzahl von Männern einzuberufen, die das Vertrauen des deutschen Volkes genossen, befand sich unter diesen Vertrauensmännern, die eine besondere Einladung erhielten, auch unser Rießer. Rießer war bereits am 18. Oktober 1846, bei der Gedenkfeier der Schlacht bei Leipzig, in Hamburg als politischer Redner ausgetreten. Er hatte damals in einer mit rauschendem Beifall anfgenommenen Rede für Schleswig-Holstein plädiert. Nun

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.