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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 136

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Gabriel Rießer
Date
1906-03-01
Page
136 (sequence 8)
Language
German
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186 Am deutschen Reich. erst einen Nachfolger gefunden in dem einstigen Professor der Philosophie an der Berliner Kriegsakademie — Moritz Lazarus. Nichts ist für den strämerneid, der aus allen diesen engherzigen Bestimmungen spricht, so bezeichnend, wie ein Vorgang, der sich in der württewbergischen Kammer abspielte, als man — Zum Ruhme Württembergs sei es betont — dort zuerst mit diesen Beschränkungen aufräumte. Am Schluß der Debatten erhob sich ein Apotheker und stellte den Antrag, man möge den Juden doch wenigstens verbieten, — Apotheker zu werden. Treffend bemerkt Rießer dazu: Man könnte auf diesem Wege leicht dazu kommen, gegen die Abschaffung der Todesstrafe zu plädiren, weil sie ja — gegen das Interesse der Scharfrichter verstieße. Diese Zustände waren wie dazu geschaffen, der beißendsten Satire unerschöpfliche Nahrung zu bieten. Ludwig Boerne hatte sich bereits in seinem „Ewigen Juden" dieses Stoffes bemächtigt. Boerne hatte schlagende Witzworte geprägt, die damals von Mund zu Munde gingen. Von ihm stammt das Wort: „Man haßt die Juden, nicht weil sie es verdienen, sondern weil sie verdienen." Ein andermal tröstet er sich mit der Erkenntnis: „Mancher flüchtet sich auf den Chimboraffo der Gemeinheit, weil man ihm dahin nicht folgen kann." Boerne selbst hat in späteren Jahren, als man seinen Beistand anrief, seinen einstigen Glaubensgenossen den Rat erteilt: „Schreien müßt ihr!" Und dieser unermüdliche Rufer im Streit, der dem Gegner mit dem blanken Stahl einer unerbittlichen Logik und der Wucht seiner sittlichen Entrüstung zu Leibe ging, war Gabriel Rießer. Das Signal zum Kampfe hatte die Julirevolution in Paris gegeben. Die Trone und Trönchen Deutschlands begannen zu zittern. In den Kammern regte sich ein liberales Lüftchen. Das Even war warm, man wußte es schmieden. Und so veröffentlicht der 24jährige Rießer im Jahre 1831 seine erste Kampfschrift: „Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland." Diese Schrift unterscheidet sich von vornherein deutlich von all der zahlreichen Literatur, die bis dahin zu Gunsten der Judenemanzipation erschienen war. Sie verläßt den Standpunkt der Verteidigung gegen erhobene Vorwürfe, sie ergreift die entschlossene Offensive. Sie fordert, sie verlangt mit aller Entschiedenheit: gleiche Rechte gegen gleiche Pflichten. Die Judensrage ist eine Rechtsfrage und, so gewiß die Wahrheit über die Lüge,

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