Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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184 Iw deutschen Reich. geistiger Bildung auch Elemente btä Eigennutzes und der Selbstsucht, die dem Sinne für das Gemeinwohl, der Begeisterung für höhere Lebenszwecke Abbruch taten. Unter diesen Umständen hörte und las ich die von Christen ausgehenden Urteile über die Gewinnsucht, den Handelsgeist der Juden, über ihre Geldliebe u. s. w. Ich war Zu jung, die mir sernerliegenden Gebiete des Lebens schwebten der jugendlichen Phantasie in Zu glänzendem Lichte vor, um nicht an eine diesen Vorwürfen zu Grunde liegende lebendige Wahrheit Zu glauben. So bildete sich in wir die Vorstellung, daß jene sittlichen Mängel nur an dem beengten, zusammengedrängten kaufmännischen Treiben hafteten; daß in den glücklichen Kreisen des Lebens, wo ein freier Gebrauch aller menschlichen Kräfte, eine freie Entwicklung aller menschlichen Anlagen gestattet sei, strenge Tugend, hohe Uneigennützigkeit die Regel bilden; daß jenes selbstsüchtige Treiben und Drängen einer endlosen Konkurrenz, wo Jeder in seinem Nebenmanne nur Einen sieht, der ihm im Wege ist, nur der kaufmännischen Welt angehöre, während in anderen würdigeren Verhältnissen die Kräfte Aller in liebevoller Vereinigung nach einem Ziel hinarbeiteten . . . Mit diesen Vorstellungen näherte ich mich allmählich den verschiedenen Kreisen des bürgerlichen Lebens . . Ich fand allerdings sehr ehrenwerte Beispiele hoher Uneigennützigkeit und aufopfernden Strebens für das Gute; aber bei der bei weitem größeren Menge fand ich dasselbe eigennützige Treiben, dasselbe Unterordnen geistiger unter Materielle Interessen, dieselbe vorherrschende Lust am Erwerb, die ich in meiner Unschuld für lauter eigentümliche Fehler des Handelsstandes und des jüdischen beschränkten Handelgeistes insbesondere gehalten hatte." Und mit dem Hinweis auf die Niedrigkeit der Gesinnung, mit der die Heidelberger Fakultät sein Gesuch Zurückgewiesen, ruft er entrüstet aus: „Treibt alle Schacherjuden aus allen vier Weltgegenden Zusammen, bildet aus allem Schmutz ihrer Gesinnungen eine einzige große Masse, und wenn Ihr eine intensiv größere Gemeinheit herausbekommt, als die ist, welche die Grundlage solcher Motive bildet, so will ich mir in Zukunft alle Schmähungen ruhig gefallen lassen. Eine Schneiderzunft, die sich nach Kräften gegen die Zulassung eines jüdischen Gewerbsgenossen wehrt, um den Erwerb nicht in dem allergeringsten Maße mit ihm zu teilen, macht nur unser Mitleid und unseren Widerwillen rege; eine Fakultät von