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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 133

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Gabriel Rießer
Date
1906-03-01
Page
133 (sequence 5)
Language
German
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Gabriel Rießer. 133 Pietät gegen seinen herrlichen Vater hat Rießer bis ins Alter mit Achtung vor dem traditionellen Judentum erfüllt. „Wem", so schreibt er einmal von seinem Vater, „wem auch nur ein verehrtes, erhabenes, heiliges Bild, wie dem Verfasser dieser Zeilen, vor Augen schwebt, der wird seine Entrüstung über jene engherzige stumpfsinnige Auffassung des äußeren Lebens einer Religion teilen . . ., er wird voll Verehrung für die unsterbliche Seele der Religion ihre irdische Hülle nicht ungerechtem Hohn preisgeben." Rießer wendet sich 1830 wieder nach Heidelberg, um hier, wie er scherzend sagte, „als -Privatdozent leben und sterben zu können". Er bewirbt sich um die Zulassung zur Dozentur und — wird abgewiesen, abgewiesen unter dem nichtigen Vorwand, es seien schon zuviel Privatdozenten vorhanden und diese schmälerten den Professoren den Verdienst, belästigten auch die Regierung zudringlich um Anstellung und machten unanständige Reklame. Der wahre Grund war nicht schwer zu erraten. Rießer war Jude und er wollte es sein trotz aller lockenden Aussicht, — er blieb Jude. Diese herbe Erfahrung, der Zusammenbruch seiner teuersten Hoffnungen und Wünsche, die brutale Vereitelung seines Lebensplanes aus keinem anderen Grunde, als darum, weil er Jude war, sie wurde fortan der springende Punkt in der Entwickelung seines ganzen Sinnens und Trachtens. Rießer hat seinem Judentum große Opfer gebracht, aber je größer diese Opfer, desto größer wurde seine Liebe zum Judentum, um so fester sein Entschluß, für feine Brüder zu kämpfen. Die Sache des unterdrückten Judentums, wurde die seine. Dieses Erwachen zu seinem von der Vorsehung ihm eigens gewiesenen Berufe schildert er später einmal in Worten, die den Werdegang seines Charakters sowie seine damalige Stimmung von einer bedeutsamen Seite treffend beleuchten. Er sagt: „Ich bin unter meinen Glaubensgenossen aufgewachsen, und zwar unter solchen, welche, wenn auch sehr oft ihrer Neigung und ihrem inneren Berufe zuwider, mit wenigen Ausnahmen nichts anderes als Kaufleute sein konnten und durften. Ich fand unter diesen ehrwürdige Beispiele hoher Sittlichkeit, edler Selbstverleugnung und Aufopferung für das Wohl Anderer; aber ich fand bei der größeren Menge neben dem herrschenden Sinn für Wohltun und einem ziemlich allgemeinen Streben nach

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