Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Gabriel Rießer. 131 Schutze der so schmählich betrogenen Glaubensbrüder. Das war die Luft, in der unser Gabriel die ersten Eindrücke des reifenden Geistes empfing. Die Familie zog nach Hamburg zurück. Im Jahre 1824 verließ Gabriel mit einer griechischen Abschiedsrede die Hamburger Gelehrtenschnle, das Johanneum, welches damals bereits feit 200 Jahren auch von Juden, Zuerst von den beiden Söhnen des berühmten Arztes Rodrigo de Castro, besucht wurde. Ein Jahr vor Rießers Geburt hatte au derselben Stelle als Abiturient über das Bürgerrecht der Juden ein Sohn jener geistreichen Jüdin Esther Mendel gesprochen, die man die neue Madame Sbvignb nannte, und die mit Klopstock, Kaestner und anderen Größen der deutschen Literatur schöngeistige Briese gewechselt hat. Dieser Abiturient David Mendel ist kein anderer, als der nachmalige Nestor der Kirchengeschichte, der bekannte Johann August Wilhelm Neander. Das Thema seiner Abschiedsrede ist eines der vielen Zeugnisse dafür, wie angelegentlich die Frage der bürgerlichen Stellung der Juden die Geister damals beschäftigte. Gabriel Rießer entschied sich, als es sich nun um die Wahl eines Berufes handelte, für die JurisprudenZ. Es war damals noch nicht die Blütezeit des jüdischen Referendars. In Hamburg zum Beispiel, an welches doch Rießer für eine spätere Niederlassung als Anwalt Zunächst Zu denken hatte, wurden zur Advokatur nur Bürger Zugelassen. Die Juden besaßen aber in Hamburg kein Bürgerrecht, somit gab es in Hamburg keinen jüdischen Anwalt. Im hamburgischen Staatsarchiv finden sich dringende Gesuche jüdischer Anwaltsaspiranten aus jenen Tagen. Sie werden beharrlich so lange Zurückgewiesen, bis die Bewerber die Befähigung Zürn Amt durch den Taufschein erweisen. Für Der letzte Lübecker Schützende.