Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Gabriel Rießer
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 130 (sequence 2)
- Language
- German
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130 Im deutschen Reich. allgemeinem Urteil einen seiner tüchtigsten Richter verloren Dieser Rabbiner Rafael Cohen, gleich ausgezeichnet durch Charakterfestigkeit und Ueberzeugungstreue, wie durch Scharfsinn und Klarheit des Geistes, war das Vorbild, welches seinem Schwiegersohn Lazarus, nach feiner Heimat, dem Rieß in Bayern, Rießer genannt, bei der Erziehung seines jüngsten Sohnes, unseres Gabriel, stets vor Augen stand. Die Entwickelung des Sohnes rechtfertigte des Vaters Wünsche über alles Erwarten. Am 2. April 1806, am ersten Sederabend in Hamburg geboren, in der Stunde, in der wir zum Empfang des Propheten Elia die Tür öffnen, wurde dieser Elia der deutschen Juden ihnen gerade Zu einer Zeit geschenkt, die für den großen Vorkämpfer ihrer Befreiung von politischem Druck und bürgerlicher Schmach den Boden zu bereiten berufen schien. Juden -LeibZollzettel. Napoleon hatte die Juden aller okkupierten Länder ohne Klausel und Rückhalt zu ebenbürtigen Bürgern erhoben. Allein schon im Jahre 1815 auf dem Wiener Kongreß öffnete eine welthistorische Infamie dem alten deutschen Judenhaß ein Hinterpförtchen um den ihrer Freiheit kaum froh gewordenen Juden in den Rücken zu fallen und sie aus der gewonnenen Position hinauszudrängen. In dem $ IC der Bundesakte sollten den Juden alle die Rechte gewährleistet werden, die ihnen bis dahin „in" den deutschen Bundesstaaten eingeräumt worden waren. Dem Bremer Senator Smidt, der das Protokoll redigierte, glückte nun das Kunststück, statr dieses Wörtchens „in" (den deutschen Bundesstaaten) ein „von" einzuschmuggeln. Bon den deutschen Bundesstaaten waren aber den Juden niemals irgendwie nennenswerte Rechte gewährt worden, sondern nur in diesen Staaten von Seiten der französischen Regierung. So wurden die Juden aus manchen Städten, deren Tore ihnen Napoleon geöffnet hatte, einfach wieder hinausgetrieben; so unter anderem aus Lübeck, wo Gabriel Rießers Familie damals ihren Wohnsitz hatte. Dr. Buchholz in Lübeck, der juristische Vertreter der jüdischen Gemeinden in den drei Hansastädten, ein Freund des Hauses, besprach mit Rießers Vater die Maßnahmen zum