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Im deutschen Reich · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. 115

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-02-01
Page
115 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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BereinsnaÄrichten. 115 und dafür erwachte der Drang zur maßvollen positiven Mitarbeit an dem großen deutschen Einheitswerk. Unter den Mitgliedern des echtdeutschen Parlaments in der Paulskirche nahmen die Juden Gabriel Rießer, Ree, Heckscher, Heinrich Simon und Veit, im preußischen Landtage Raphael Kosch und Johann Jacoby eine hervorragende Stellung ein. Besonders aber wirkte Rießer in liebevoller vaterländischer Gesinnung und bescheidener Zurückhaltung: seine rhetorische Meisterschaft trat erst mächtig hervor, als Moritz Mohls judenfeindliche Rede ihn auf die Tribüne rief. Er war es, der unter grenzenlosem Jubel für die kleindeutsche Lösung der deutschen Frage, für eine deutsche Einheit unter preußischem Erbkaiser, eintrat und unter dem Beistand seines anfangs widerstrebenden Glaubensgenossen Heinrich Simon der Kaiserpartei zum Siege verhalf. Der getaufte Jude Simson ging mit den Juden Rießer und Beit hierbei und auch später, nach der Ablehnung der Kaiserkrone durch den Preußenkönig, bei dem Programm der Resignation in Gotha Hand in Hand. Simson betonte sogar in der Erfurter Versammlung dem adelsstolzen Herrn von Bismarck gegenüber, daß er als Judensprößling selbst „von uraltem Adel" sei. Inzwischen hatten die Rückschrittler mit den Prinzipien Stahls wieder die Oberhand und opferten ihren Parteiinteressen das Staatswohl derart, daß Preußen durch den schimpflichen Vertrag von Olmütz aus der Vormacht in Deutschland völlig verdrängt wurde. Die Reue über diesen .Rückschritt führte zur sogenannten „Reuen Aera", auf die wiederum infolge des Widerstands der Liberalen gegen die von dem Prinzregenten verlangte Reorganisation der Armee die Konfliktsjahre folgten. Die kriegerischen Erfolge stimmten später Regierung und Volksvertretung zur Versöhnung; nur 25 Stimmen erklärten sich gegen die von der Volksvertretung beschlossene Dankadresse. Daß sich dabei Johann Jacoby zu den widerstrebenden Elementen der Polen und des Zentrums hielt, erklärt sich daraus, daß in dem unbeugsamen Ostpreußen das fast zur Monomanie gewordene übertriebene Rechtsgefühl aufbäumte, das ihn später politisch mehr und mehr auf Jrrpfade leitete. Elastischer zeigte sich der süddeutsche Parlamentarier Ludwig Bamberger, dessen radikale demokratische Gesinnung sich in der Verbannung zu einer warmen vaterländischen umgewandelt hatte, die er zunächst im Zollparlament so einflußreich geltend machte, daß er von dem leitenden Staatsmann als ein höchst

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