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Im deutschen Reich · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-02-01
Page
116 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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Jur deutschen Reich. 116 wirksamer Helfer bei dem Bestreben, die Mainlinie zu überbrücken, betrachtet werden mußte, und auch später von ihm in wichtigen Momenten oft Zu Rate gezogen wurde. Auch ein anderer jüdischer Parlamentarier, Eduard Lasker, hatte, dem patiorischen Drange folgend, den radikalen Standpunkt verlassen, um im besten Sinne national und liberal zu wirken. Er tat es in größter Anspruchslosigkeit und Selbstlosigkeit, nur den Idealen der deutschen Einheit nachstrebend, immer ein Mann des Rechts, immer als echter Volksmann. Und darin lag das Geheimnis seiner wunderbaren Erfolge im Parlament und bei den Kommissionsarbeiten, denen er sich mit Bienenfleiß widmete. Was er leistete, har sich in der großartigen gesetzgeberischen Fruchtbarkeit jener großen liberalen Epoche bekundet und ist von keinem rückhaltsloser anerkannt worden, als von dem hochbegabten Zentrumsführer Windhorst. Jahre hindurch wurden Laskers Leistungen von den Vertretern der Regierung ungemein hochgeschätzt, aber schließlich mußte zwischen dem leitenden Staatsmanne und Lasker eine Entfremdung eintreten, weil sich der charaktervolle Volksmann nicht zum Werkzeuge eines Mannes eignete, der im Sinne Treitschkes die Erlangung der Macht als Zweck des Staates ansah. Laskers Wirken auf dem Gebiete der Justiz, der Gewerbefreiheit, der Koalitionsfreiheit und der sozialen Gerechtigkeit hat Bleibendes geschaffen; seine vielen freiheitlichen Amendements mußten aber Bismarck mit der Zeit lästig werden, denn sie hemmten vielfach den Willen zur Macht. Wenn auchspäter deutsche Parlamentarier jüdischen Glaubens keinen so tiefgehenden Einfluß auf die politische Entwicklung Deutschlands ausüben konnten wie Bamberger und Lasker, so sind doch beständig deutsche Juden in ähnlicher Weise tätig gewesen. Ihre Tätigkeit zu schildern, mußte sich der Redner mit Rücksicht aus die vorgeschrittene Zeit versagen, aber er resümierte sich wirkungsvoll dahin, daß er schwungvoll betonte, wie die deutschen Juden, seit ihnen eine Betätigung am öffentlichen Leben überhaupt möglich geworden, stets mit Begeisterung und mit zweifelloser Selbstlosigkeit ihre Fähigkeiten in den Dienst des deutschen Vaterlands gestellt und dabei ein aufrichtiges deutsch-nationales Empfinden bekundet hätten. Ob wir als Juden voll und ganz Deutsche sein können, mag uns von Vorurteilsvollen heute wieder bestritten werden; in unserm Innern ist diese Frage längst entschieden. Wir fühlen und wissen, daß

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