Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 98 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 98 missen wir die ergänzende Bemerkung, daß auch er es bedauere, wenn seine jüdischen Standesgenossen durch das Verfahren der Referendarvereine gesellschaftlich und amtlich aufs schwerste benachteiligt würden. Wenn irgend jemand, dann ist der Minister die berufene Stelle, zu verhüten, daß die den Juden von dem Gesetz verliehene Gleichberechtigung durch gesellschaftliche Boykottmaßnahmen gegen jüdische Beamte beeinträchtigt wird." — Die „Volks-Ztg." schließt ihre Aeußerungen über diese Angelegenheit mit der Frage: „Warum ist der preußische Justizminister nicht in der Lage, zur Belehrung der jungen Leute, die für die Aufgaben der Justiz erzogen werden sollen, ganz allgemein zu erklären, daß eine planmäßige und systematische Boykottierung jüdischer Juristen nicht dem Geiste der Objektivität und der Gerechtigkeit entspricht, der in der preußischen Rechtspflege die festeste Grundlage bilden soll?" — Der Antisemitenpresse geht es schon gegen den Strich, daß das Disziplinargericht gegen den Verfasser des antisemitischen Festliedes, Landgerichtsrat Hoffmann, auf Verweis erkannt hat, und die Mitglieder des Bereinsvorstandes durch den Oberlandesgerichtspräsidenten Vierhaus ebenfalls mit Verweis bestraft worden find. Ganz empört find sie aber darüber, daß der Justizminister erklärt haben soll, er werde in jedem Einzelfall, wo Ungehöriges geschehe, einschreiten, nur allgemeine Beschränkungen der privaten Verkehrsfreiheit der Beamten müsse er ablehnen. In der „Staatsbürger-Ztg." heißt es: „Neu ist, daß ein preußischer Minister es für seine Ausgabe hält, in dieser Weise einer Parteiauffassung zuliebe in das gesellschaftliche Leben und die privaten Neigungen seiner Beamten einzugreifen. Das stimmt schlecht mit der Erklärung im Abgeordnetenhause." Diese antisemitische Strafpredigt wird hoffentlich den Minister nicht beirren, dessen Verdikt über das Verhalten der antisemitischen Referendare, nach neueren Mitteilungen aus parlamentarischen Kreisen, weit schärfer gelautet haben soll, als die in den ersten Berichten über die Verhandlung in der Budget-Kommission wiedergegebene Aeußerung. Ueber die Bewegung innerhalb der preußischen Judenheit zur Abwehr der ihr aus dem preußischen Schulgesetzentwur.f drohenden Gefahren wird Folgendes Mitgeteilt: Der Verband der Deutschen Juden hat unter denr 7. Januar 1906 in einer