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Im deutschen Reich · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. 95

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-02-01
Page
95 (sequence 12)
Language
German
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Umschau. 95 feffurcn von In- und Ausländern gemieden werden." Trotzdem diese geistige Atmosphäre Wiens eine widerwärtige geworden ist, kann man doch kaum annehmen, daß viele österreichische Juden geneigt sein sollten, sich freiwillig wieder in ein Ghetto zu verkriechen. Etwas anders, würden die sogenannten „jüdischen Wahlkurien" doch nicht sein, die ihnen vielleicht eine gewisse Selbständigkeit, aber auch eine den Antisemiten besonders erwünschte Sonderstellung verschaffen würden, die die Juden der übrigen Bevölkerung Oesterreichs ganz entfremden würde. Der Vorstand der Oesterr.israel. Union hat versucht, in einer unter Zuziehung von angesehenen Vertrauensmännern abgehaltenen Vollversammlung zu der aufgetauchten Bewegung für die Schaffung einer „jüdischen Autonomie" und einer jüdischen Wahlkurie Stellung zu nehmen. Dabei hat man sich mit Stimmeneinhelligkeit in bestimmtester Weise gegen diese Bestrebungen um eine politische Sonderstellung der Juden in Oesterreich erklärt uno beschlossen, diese Stellungnahme in geeigneter Weise zur Kenntnis der jüdischen Wählerschaft zu bringen. Wenn in Oesterreich der Antisemitismus sich der meisten Stadtverwaltungen bemächtigt hat und dort Verwüstungen anrichtet, ist das Unheil doch nicht mit den Drangsalen zu vergleichen, die die große Zahl der in, Rußland lebenden Juden erleidet, wo die Regierung mit nur zu großem Erfolg beständig bemüht ist, alle Schuld einer Langjährigen Mißwirtschaft auf die Juden abzulenken und gleichzeitig die Revolution der zur Verzweiflung getriebenen, von Mchtjuden ausgebeuteten Arbeiter und Bauern durch eine Gegenrevolution der niedersten Hefe der städtischen Bevölkerung zu bekämpfen. Die offiziellen Organe der russischen Regierung bemänteln dieses Treiben, indem sie niemals die christlichen Führer der empörten Volksmassen, sondern nur die wenigen Juden namhaft machen, die sich an den Aufständen beteiligen, die trotz aller Siegesnachrichten regierungstreuer Generäle immer an andern Stellen aufs neue auflodern. Daß sich von den geplagtesten Untertanen des Zaren, den von Gorki als „große Dulder" bezeichneten Juden, einzelne an der Empörung beteiligen, ist nicht zum Verwundern, well sich selbst der Wurm krümmt, wenn er getreten wird. Ein edler Christ, Pastor Rade, schließt in der in Marburg erscheinenden Zeitschrift „Christliche Welt" auf Grund eines von ihm

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