Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 96 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316743--14765-2336322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
OCR text
Im deutschen Reich. mit dem Pastor Kormann in Odessa gepflogenen Briefwechsels eine Bitte Zu Unterstützuugen der Unglücklichen in Rußland mit folgenden Worten: „Ich möchtenicht schließen,ohnemichzuder weitverbreireLen Meinung Zu äußern, daß von den milden Sammlungen für die russischen Juden ein Teil des Geldes Zur Stärkung der russischen Revolution verwandt werde. Die Kölnische Zeitung brachte eine ganz bestimmt lautende Meldung darüber gerade aus Odessa. Der Vorsitzende des Frankfurter Hilfskomitees hat in der Frankfurter Zeitung 7, Abendblatt, dieser Meldung zugleich im Namen zweier Vorsitzenden des Komitees für Odessa energisch widersprochen. Meines Ermessens liegt die Sache ganz einfach. Daß in einem Lande mit dieser Judenpolitik Juden sich mit ihrem Geld und mit ihrer Person für die Revolution einsetzen, ist das Natürlichste und Selbstverständlichste von der Welt. In welchem Maße, mit welchem Recht und Unrecht, können wir nicht ermessen. Aber daß das für die Opfer der Oktobermetzeleien gesammelte Geld, zumal das in Deutschland gesammelte, anders als seiner Bestimmung gemäß verwendet werden sollte, halten wir für völlig ausgeschlossen. Es ist ja nach genug Elend zu lindern! Wir sind gewiß alle entsetzt über Äie Schrecken, durch die unsre baltischen Deutschen hindurch müssen. Aber eine so massenhafte nackte Not, wie unter den Juden, ist Doch dort nicht. Das Absch endlichste aber an diesen Judenmassakres bleib t für uns ihre einheitliche obrigkeitliche Leitung über das ganze weite Land hin. Es ist heute klargestellt: die Ausschreitungen brächen in 301 Orten an demselben Tage und fast zu derselben Stunde aus, vielerwärts unter offener Beihilfe der Polizei. Ganz wie einst in Armenien. Aber diesmal in einem — christlichen Lande!" — So denkt und fühlt ein Mensch, dem nichts Menschliches fremd ist! In den letzten Wochen haben in Bessarabien wieder neue antisemitische Ausschreitungen stattgeftmden, über die nur wenige Einzelheiten bisher verlauten, die aber hinreichen, um jeden menschlich Fühlenden mit Entsetzen zu erfüllen. Daß einzelne deutsche und österreichische Antisemiten sich nicht entblödet haben, diese Greueltaten ihrer russischen Gesinnungsgenossen gutzuheißen und ihren jüdischen Mitbürgern wir einer Nachahmung zu drohen, ist, um mit Schiller zu reden: „ein Monument von unserer Zeiten Schande!" A. L. hp