Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 93 (sequence 10)
- Language
- German
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der feine antisemitische Weisheit aller Wahrscheinlichkeit nach erst den Brandreden Stöckers entlehnte. Was er in weiten Reihen der deutschen akademischen Jugend eruflammt, ist auch kein heiliges Feuer, sondern verzehrender Haß, der „leuchtet nicht, er kann nur Zünden!" Seine Flammen Züngeln auch an Stellen empor, wohin der böse Geist nationaler und konfessioneller Vorurteile erst durch norddeutsche Schüler Stöckers und Treitschkes verschleppt worden ist. Im bayerischen Landtage beschimpfte in der am 11. Januar d. I. abgehaltenen Sitzung der Abg. Schönleben die Juden durch folgende Ausführungen: „Es ist sehr Zu bedauern, daß die Zahl der jüdischen Reserveoffiziere sich mehrt, denn unsere Soldaten haben kein Vertrauen zu ihnen; es fehlt der Respekt; es leidet die Autorität und Disziplin. Was haben denn andere Länder schon erlebt mit ihren Makkabäern in der Armee?" An die für einen Klerikalen Merkwürdige Verhöhnung der sonst von frommen Christen hochgehaltenen „Makkabäer" knüpfte der Abg. Schönleben bissige Bemerkungen über die Dreifüsler im Generalstabe, welche die militärischen Geheimnisse verraten hätten usw., und veranlaßte mit diesen Sottisen den lebhaften Beifall feiner Fraktionsgenossen, aber nur schwache Entgegnungen von sozialdemokratischer Seite. Energischer erwies sich ber dieser Gelegenheit der liberale Abg. Häberlein, der in seinem Namen und dem seiner Partei den Kriegsminifter von Horn darüber zur Rede stellte, daß er auf die für die jüdischen Soldaten kränkenden antisemitischen Ausführungen Schönlebens kein Wort der Entgegnung gehabt und selbst geschwiegen hätte, als ihn Schönleben vor der „Verschandelung der bayerischen Armee durch Juden" warnen zu müssen geglaubt habe. Darauf ließ sich endlich der bayerische Kriegsminister zu der Ziemlich zaghaften Aeußerung herbei: „Ich erkläre hiermit unumwunden, daß der Kriegsverwaltung seitens der einzelnen Kommandobehörden irgendwelche Klagen israelitischer Soldaten darüber nicht vorgekommen sind, daß ihnen von den Angehörigen der andern Glaubensbekenntnisse in nennenswerter Weise Hindernisse in den Weg gelegt worden sind. Mir ist es gleich, ob einer Katholik, Protestant oder Israelit ist, wenn er nur ein guter Soldat ist." Damit hat der bayerische Kriegsminister nicht viel mehr gesagt als der