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Im deutschen Reich · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. 92

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-02-01
Page
92 (sequence 9)
Language
German
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92 Im deutschen Reich. erschienen; Prinz Joachim Albrecht von Preußen und der Reichskanzler Fürst von Bülow hatten auch nur durch freundliche Schreiben ihre Teilnahme bekundet. Um so schrankenloser konnte sich die „Slöckerei" ausleben. In der Festrede betonte stud. Lur. Kormann, daß in dem Verein Deutscher Studenten die Bewegung mit einem bewußten Gegensätze gegen das übergreifende Judentum begonnen habe, jetzt aber, wo der gesellschaftliche Asemitismus Gemeingut der meisten Gebildeten geworden sei, ein anderer Gegner, der Ultramontanismus, bekämpft werden müsse. Der Redner gab also Zu, daß der Verein auf dem Wege des krassesten Hasses sortschreite und sich rühme, seine Vorurteile auch auf andere Kreise übertragen Zu haben, die er als „gebildete" bezeichnete, obgleich Rassen- und Klassen- und Religionsvorurteile kaum als Znchen höherer Bildung betrachtet werden können. In welchen Kreisen diese Berurteiler leider gewisse Sympathien finden, ging aus der Rede des Herrn Generalmajor v. Loebell hervor, der von den Festen des Vereins sagte, es ströme von ihnen wahrer Patriotismus aus, und wenn er diesen Geist sehe, sei ihm nicht bange um Armee und Vaterland. Weit stürmischer als der Jubel, den diese Anerkennung hervorrief, war der Beifall, den der waschechte Antisemitismus fand, der sich in der Rede Adolf Stöckers unverhüllt kundgab, als er an die Zeiten erinnerte, in denen er für seine haßerfüllten Bestrebungen in Berlin noch keinen Boden gefunden habe. Er sagte: „Drei Juden regierten damals Berlin ' Aus dem Zusammenbruch von damals ist der Umsturz . aufgetaucht, der heute mit feinem unheimlichen Feuer die Nachbarländer anzündete und uns die schleichende Revolution erklärt. Wenn wir nach Rußland hören und bei uns Zuschauen, so sind es wiederum Juden, die sich herausnehmen, die Welt in Brand setzen Zu wollen! Darum rufe ich auch heute Zum Kampfe gegen alle schlechten Geister!" — Eine Zeit, in der Juden Berlin regierten, hat es nie gegeben, so wenig wie es heute die Juden sind, die die Welt in Brand setzen wollen. Maxim Gorki, dessen Wahrheitsliebe den Prediger vom Johannistisch beschämt, hat nicht ohne Grund die Juden „die großen Dulder" genannt — wo sie kämpfen, geschieht dies nie angriffsweise, sondern nur zur Verteidigung ihrer heiligsten Güter. Die qualmenden Trümmer in Rußland rühren nicht von Untaten der Juden her, sondern von den schwarzen Genossen Kruschewans,

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