Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 85 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 85 eigentlich in der Schlacht bei Jena die Schuld der Niederlage trug, wer damals kampflos den Franzosen die Tore preußischer Festungen öffnete, während treue Volksmänner Kolberg verteidigen halfen, davon steht in dem Artikel kein Sterbenswörtchen. Nach einem mehr als einseitigen Bericht über den Krieg von 1870,71 folgt die Mahnung, „Deutschland solle diese große Zeit nie vergessen." Nun, der Verfasser jenes Artikels sollte dies selbst beherzigen; seinem Gedächtnis ist völlig entschwunden, was einzelne hervorragende Juden damals für die Einigung Deutschlands auf den Gebieten der Politik, der Gesetzgebung und der wirtschaftlichen Verhältnisse geleistet haben. Auch das hat er vergessen, daß es ein jüdischer Abgeordneter war, der iw Parlament das von sehr hohen Persönlichkeiten betriebene Gründergeschüft geißelte, um das Volk vor noch schwereren Verlusten zu warnen. Herr v. B. schreibt: „Gleich auf diese große Zeit folgte bei uns die Gründerzeit. Geld gewinnen, gleichviel wie, das war die Losung. - Ein toller Tanz ums goldene Kalb begann unter jüdischer Führung." Die Fürstlichkeiten, auf deren Antrieb, in deren Auftrag und Interesse einst der schon als Knabe getaufte Strousberg seine gewagten Spekulationen unternahm, ließen sich bekanntlich nicht von „Juden führen", sondern benutzten einen begabten Judensprößling dazu, „uw Geld zu gewinnen". Die großen Geldverluste, die in allerneuester Zeit viele kleine deutsche Kapitalisten bei dem „tollen Tanz uw die russische Anleihe" erlitten haben, sind auch nicht auf „jüdische Führung" zurückzuführen, iw Gegenteil; von jüdischer Seite hat es nicht an Warnungen gefehlt! Den Schluß des Kreuzzeitungs-Artikels bildet eine unverfälscht allkonservative Deduktion über das, was für uns als von der Emanzipationsfrage unzertrennlich gehalten wird, über das Menschenrecht. Da heißt es: „Ausleben" gilt auch in höheren Schichten als „Menschenrecht" — — Menschenrecht?? — — das wäre der Tod! Nur auf den Tod haben wir einen begründeten Anspruch Gott gegenüber. Wo blieben wir, wenn er mit uns rechten wollte? Menschenrecht ist der Tod, darum pochen wir lieber nicht aus „Menschenrecht", sondern auf Gottesgnade. Damit werden wir weiter kommen, und unsrer Lebeaspflichlen uns bewußt werden. Dann wird unser Leben