Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Verhandlung über "das Volksschulunterhaltungsgesetz"
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 81 (sequence 17)
- Language
- German
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Verhandlung über das VoLksschulunLerhaltungsgefew 81. die Angriffsfläche staatlicher Einrichtungen nach Möglichkeit Zu verkleinern? Zu einer Verantwortung, die sie kaum tragen kann, sollte die SLaatsregierung sich doch in der Frage der Rektoren- und Lehrerwahl nicht gerade drängen. Hundert Jahre nahezu liegen nunmehr die Anfänge der preußischen Selbstverwaltung zurück. Endlich sollte man die Organisation der politischen Gemeinden aus diesem ihrem eigensten Gebiete doch wohl für großjährig erklären. Unvergessen soll es dabei dem preußischen Absolutismus und insbesondere den preußischen Königen bleiben, daß sie die Schöpfer des Gedankens der Staatsschuld und des Schulzwanges gewesen sind. Ohne diese, durch sie vorbereitete Bildung wäre ein Volk zur Selbstverwaltung niemals reif geworden. Sehen Sie nach Rußland, wenn Sie an dieser geschichtlichen Erfahrung zweifeln sollten. Wir haben aber weiter die Ueberzeugung gewonnen, daß erst die städtische Selbstverwaltung zur Bürgertugend und Bürgertreue erzieht, besser, als irgend eine andere Einrichtung des Staates. Die besten Mitarbeiter, auch die der Regierung in den Parlamenten, sind durch die Schule der Selbstverwaltung gegangen. Hier, hoffen wir, liegt auch das Heilmittel gegen die Seuche antisemitischer Volksvergiftung. Eine große und blühende Volksschule haben ohne wesentliche Staatshilfe die großen städtischen Gemeinden in Preußen für sich geschaffen. Nicht zum wenigsten auf ihr ruht die beispiellose materielle und kulturelle Entwickelung unserer Zeit, und wie aus der Schule die Selbstverwaltung, so baut sich auf dieser die Freiheit und die Gleichheit vor dem Gesetze auf. Wer im Mitschüler, ohne Ansehen des Stammes und der Religion, den Mitstrebenden zu lieben und zu achten gelernt hat, wer in dem Mitbürger nicht den lästigen Konkurrenten, sondern den willkommenen Mitarbeiter am Werke des Gemeinwohls tagtäglich vor Augen sieht, der wächst von selbst in den Gedanken hinein, daß Religion und Abstammung über den Wert des Einzelnen und des Staates nicht bestimmen dürfen. Aus diesen drei Pfeilern: der Schule, der Selbstverwaltung und der Gleichheit vor dem Gesetz ruht das unerschütterliche Gebäude unseres preußischen und damit unserer deutschen Staatsbildung. Die Schule ohne gewaltsame Trennung der Lehrenden und Lernenden, die Gemeinde ohne überflüssige Eingriffe in die innere Selbstverwaltung auch aus dem Schulgebiete, und der Staat ohne künstliche Auseinanderreißung seiner