Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1906)
- Article
- Verhandlung über "das Volksschulunterhaltungsgesetz"
- Date
- 1906-02-01
- Page
- 74 (sequence 10)
- Language
- German
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74 Im deutschen Reich. christliche Kinder in sogenannten Gesinnungsfächern zu unterrichten. Nur an jüdischen Schulen sollen jüdische Lehrer Ordinariate erhalten. Kann man ihrer an christlichen Schulen wegen des der jüdischen Minderheit zu erteilenden Religionsunterrichtes nicht ganz entbehren, so sollen sie nach Möglichkeit nur im Religionsuntericht beschäftigt werden. Vergebens sucht man in den Motiven des Gesetzentwurfes den Versuch einer Begründung dafür, daß die jüdischen Lehrkräfte auch an solchen Schulen aus dem Lehramte hinausgedrängt werden sollen, an denen sie eine erhebliche Minderzahl von Kindern ihres eigenen Glaubens neben christlichen Kindern zu unterrichten berufen sein würden. Nur allzuleicht, fürchte ich, werden die Antisemiten hier einen Erfolg ihrer. Umtriebe sehen. Unter dem Beifall hoher und höchster Staatsbeamter hat ja erst vor wenigen Tagen ein Priester des Judenhasses das 25 jährige Jubiläum des Vereins Deutscher Studenten mit überschwenglichen Worten als einen Sieg seiner Ideen beweihräuchern und der Festredner des Abends den Asemitismus zum nunmehrigen Kennzeichen der gebildeten Kreise proklamieren können. Und doch kann man, was man auch immer über den materialistischen Zug im Charakter des jüdischen Stammes nicht ohne Heuchelei sagen mag, gewiß nicht behaupten, daß der Hang nach dem glänzenden Golde den jüdischen Lehrer und die jüdische Lehrerin bei der Wahl ihres dornenvollen Berufes verblendet hat! Nicht einmal den Vorzug einer logischen Konsequenz hat die vorgeschlagene Regelung. An höheren Anstalten und an Hochschulen wirken doch mit glänzendem Erfolge jüdische Lehrkräfte. Hat man an der Kriegsakademie den jüdischen Major Burg, den jüdischen Professor Lazarus ganz vergessen: und können wir nicht unter den lebenden Universitätslehrern genug mit Stolz die unseren nennen? Kennt man unter den Philosophen den Namen Cohen in Marburg nicht? Soll ich unter den Lehrern der Heilkunde die Dutzende nennen, zu deren Füßen die führenden Geister der jetzigen Generation als Schüler gesessen haben, einen Traube, einen Senator, den Ophthalmologen Hirschberg in Berlin, einen Jaffö in Königsberg, den Opthalmologen Cohn in Breslau und all die andern wahrhaft Großen? Wirken nicht selbst in der historisch en Fakultät Männer wie Breslau in Straßburg, von Juristen Laband, Rosin, Landsberg, um nur wenige zu nennen, mit bestem Erfolge? Zu Volksschullehrern würden es alle diese Meister nach dem