Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 51 (sequence 5)
- Language
- German
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VerewsnachrichLen. 51 Vortrages aus, sei der beste Protest gegen die fortgesetzte Berufung der Judengegner auf den angeblichen „christlichen Staat" und bestärke die Zuversicht auf das treue Zusammenwirken von Juden und Christen zur Erstrebung des segensreichen Endziels, eines wahrhaften nationalen Rechts- und Kulturstaates von lauter gleichberechtigten Bürgern! Mehrfach wiederholter Beifall folgte dem gedankenreichen Vortrage. Der Vorsitzende gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Redner sowohl in diesem Beifall als auch in der Aufmerksamkeit, mit der die zahlreiche Zuhörerschaft seiner gediegenen Leistung bis zum Schluß gefolgt sei, die wohlverdiente Anerkennung erblickt habe. Daran schlossen sich verschiedene geschäftliche Mitteilungen, bei welchen der Vorsitzende das Andenken mehrerer kürzlich dahingeschiedener, besonders verdienter Bereinsmitglieder ehrte. Hierauf verwies er auf die erfolgreichen Vereins-Versammlungen, die in der letzten Zeit in Berlin und auswärts stattgefunden haben, sowie auf solche, die im Laufe des Winters noch veranstaltet werden, ferner auf die Tätigkeit des Verbandes der Deutschen Juden in der Angelegenheit des Schulunterhaltungsgesetzes. Der Vorsitzende erinnerte ferner an den kürzlich gefeierten 70. Geburtstag des früheren Hofpredigers Stöcker, den Rücktritt des Justizministers Schönstedt und knüpfte dann an die Nachricht, daß der neue Justizminister Beseler sofort von Amtswegen Bericht über das antisemitische Kommerslied des „Breslauer Vereins christlichen Referendare" eingefordert habe, den Ausdruck der Hoffnung, daß im Justizressort eine Wendung zum Besseren eintreten werde. Die „Staatsbürger Zeitung" erheische auch nach ihrer Schwenkung zu einem literarisch gefärbten Antisemitismus dieselbe Ueberwachung wie in ihrer früheren Gestalt. Der Eintritt des geschickten Leiters des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, Wilhelm Schack, in den Reichstag sei zu beklagen. Ein Eingreifen in die Wahlagitation sei bei der Hauptwahl dem Central-Verein unmöglich gewesen, weil dieser Verein, dessen Mitglieder den verschiedensten politischen Parteien angehören, in einem Wahlkreise, in dem sich mehrere nichtantisemitische Kandidaten bekämpfen, für keine einzelne Partei eintreten könne. Das'Entsenden rednerischer Kräfte nach Eisenach mit der bloßen Losung: „Wählt, wen Ihr wollt, nur keinen Antisemiten!" sei aber völlig untunlich gewesen. Der Redner streifte dann noch die kürzlich in Berlin erfolgten Wahlen zur Akademischen