Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 52 (sequence 6)
- Language
- German
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52 Im deutschen Reich. Lesehalle und die Protestversammlung wegen der Judenmetzeleien in Rußland. Dabei erwähnte er eine Aeußerung answandernder russischer Juden, wonach diese annehmen, daß der Antisemitismus erst von Deutschland aus nach Rußland gedrungen sei. Jedenfalls sei es Pflicht der deutschen Juden, nicht nur den Opfern der Metzeleien in Rußland durch Geldopfer zu helfen, sondern auch in Deutschland den Antisemitismus dauernd zu bekämpfen. Gin Kultursortschritt bei uns habe stets auf die Verhältnisse im Osten Europas bessernd gewirkt. (Lebhafter Beifall). Rach kurzer Pause wurde die Debatte eröffnet, bei der es sich wesentlich unr dieFrage desSchulunterhaltungsgesetzes handelte, das von den verschiedensten Gesichtspunkten aus bekämpft wurde. HerrRabbiner Dr. Wo h lberg, der sich entschieden für konfessionelle Schulen erklärte, rügte die schonungslose Art, wie der Gesetzentwurf nicht nur das Vermögen und die Gebäude der jüdischen Schulen der behördlichen Schulverwaltung Zur Verfügung stelle, sondern es ihr auch ermögliche, jüdischeLehrer ohne weiteres aufWartegeld Zu setzen. Herr Silberberg trat für die religionslose Schule ein und empfahl Anschluß an eine von Herrn vr. Penzig eingeleitete Agitation gegen den Gesetzentwurf. Herr Kaufmann Louis Wiener verwies vom liberalen Standpunkte aus auf eine von der freisinnigen Volkspartei geplante Agitation gegen den Entwurf, die das Gesetz hoffentlich Zu Fall bringen werde. Nachdem Herr Dr. Wohlbevcj sich mit Schärfe gegen den Standpunkt des Herrn Silberberg gewandt hatte, gab Herr Lehrer Auerbach der Neberzeugung Ausdruck, daß die preußische Schulverwaltung niemals in Bezug aus den Religionsunterricht das Bestimmungsrecht völlig im die Hände der Eltern legen werde. Auch für die Juden sei es dankenswert, wenn das Prinzip des Gesinnungsunterrichts gewahrt werde. Herr Hofsstedt bezeichnete es als wünschenswert, die in der Provinzialspnode anfgetanchie Forderung voller Oeffentlichkeit der Jndentausen, als auch im Interesse der Juden liegend. Zu unterstützen, da sich viele scheuen würden, öffentlich sich von denn väterlichen Glauben loszusagen. Der Vorsitzende erwiderte, daß die Anregung des Vorredners ad referendam genommen würde, obgleich es mindestens fraglich sei, ob der Verein in dieser Angelegenheit irgendwelchen Einfluß ansüben könne. Bezüglich der Stellung des Central-Vereins-Borstandes zu der Frage des Schulunterhaltungsgesetzes könne er nur als Einzelperson sprachen, da der Vorstand noch nicht in der Lage