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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 27

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Ohne Titel]
Date
1906-01-01
Page
27 (sequence 14)
Language
German
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Umschau. 27 aufmerksam zu machen, die ein solches Vorgehen bei dem ungeheuren Zündstoffe, der in der Bevölkerung angesammelt ist, nicht nur für die Juden, sondern in weiterer Folge für das gesamte Vaterland, dem seine anmaßungsvollen Verteidiger die schlechtesten Dienste leisten, Hervorrufen muß. Er halt es für seine Pflicht, auf die schwere Verantwortung hinzuweisen, die daraus erwachsen würde, wenn diesen Bestrebungen nicht im Keime mit aller Entschiedenheit entgegengetreten wird und die Irreführung und Verhetzung der Bevölkerung, der Appell an die brutalsten Instinkte nicht hinLangehälten werden."—Wie haben aber die „Träger der Macht" auf diese und andere ähnliche Warnungen reagiert? Die „Reue Freie Presse" gibt darauf die Antwort: „Freiherr von Gautsch hat im AbgeordneLenhause unter anderen Interpellationen auch diejenige beantwortet, welche die fortschrittlichen Wiener Abgeordneten Di-. Vogler und Genossen wegen der berüchtigten Warnungsrede des Herrn lh\ Lueger an ihn gerichtet hatten. Beantwortet? Man möchte mit Faust sagen: „Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, ich muß es anders übersetzen." Der Herr Ministerpräsident hat die Interpellation zum Anlaß genommen, um über den Gegenstand der bürgermeistereichen Rede, das Verhalten der Juden zur Sozialdemokratie, auch eine Meinung anszusprechen, und diese scheint wirklich mit derjenigen des Herrn Dr. Lueger nicht übereinzustimmen, aber auf die an ihn gestellte Hauptfrage, was er vorzukehren gedenke, um den sich zum Judentum bekennenden Bewohnern Wiens den Luegerschen Drohungen gegenüber Beruhigung zu gewähren, sucht man in seiner Rede vergebens nach einer Antwort. Wenn Freiherr von Gautsch die Interpellation der Wiener fortschrittlichen Abgeordneten ganz ignoriert hätte, würde er vielleicht der Beruhigung besser gedient haben, als mit dieser theoretischen Studie über das Staatsgrundgesetz, die dessen Verletzung durch den Wiener Bürgermeister außer Zweifel stellt, aber nicht einmal ein Wort des Tadels enthält." Diese Farblosigkeit des österreichischen Ministerpräsidenten schützt aber weder ihn noch seine Ministerkollegen vor antisemitischen Beschimpfungen. Anläßlich des „Tischlertages" in Wien soll nach einem Bericht der Prager „Bohemia" der antisemitische Abg. Ernest Schneider öffentlich gesagt haben: „Die Minister und der Statthalter sind feige und von den Juden abhängige Leute. Wir haben die ... . Gerichte

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