Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 25 (sequence 12)
- Language
- German
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Umschau. 25 kannten hetzerischen Flugblättern Zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil ist im Mast nachdem das Reichsgericht die Revision verworfen hatte, rechtskräftig geworden. Jetzt, nach mehr als einem halben Jahre, erfolgt zu allgemeiner Ueberrafchung die Umwandlung der empfindlichen Gefängnisstrafe in eine fidele Festungshaft. Man weiß aus der „Abbüßung" einer früheren Festungshaft des Grafen Pückler in Weichselmünde, wie angenehm der Schloßherr von Klein-Tschirne sich den Aufenthalt in der Festung zu gestalten versteht. Weit deprimierender aber noch als auf das Volksempfinden muß die abermalige Begnadigung auf die Richter wirken, die den Angeklagten ohne Ansehen der Person nach Recht und Gerechtigkeit verurteilt haben. Welche Empfindungen muß die Begnadigung bei den Mitgliedern des Gerichtshofes auslösen, der in seiner Begründung des Urteils das hetzerische Gebühren des Angeklagten treffend also geschildert hat: „Der Angeklagte hat in seinen Reden einen Funken auf fruchtbaren Boden geworfen, unter einfache Leute, die garnicht die Konsequenzen ziehen können, welch ein Einstuß auf sie einwirkt und zu was sie verleitet werden. Graf Pückler fordert auf, die Gesetze bei Seite zu lassen, sie zu umgehen, also direkten Widerstand gegen Gesetz, Ordnung und Erhaltung des Staatswohls zu leisten. Die Polizei ist leider in vielen Fällen nicht scharf genug vorgegangen, um dem Unfug zu steuern. Die Roheit in feiner Ausdrucksweise ist um so schärfer zu verurteilen, als es sich um einen gebildeten Mann, einen Edelmann handelt. Bei Graf Pückler hat sich der unbezähmbare Haß gegen die Juden bald Zu einer fixen Idee ausgebildet. In seinen Reden hat der Angeklagte fortwährend Bibelzitate bei der Hand, und zwar in einer geradezu gemeinschädlichen Weise. Graf Pückler spricht in einem Atemzuge von Christus, Nächstenliebe und „verfluchter Bande", „totschlagen" und „krepieren". Das schönste Wort „Liebet eure Nächsten" hat er bis fetzt noch nie zitiert. Aus diesen Gründen erscheint eine Freiheitsstrafe als angemessene Sühne, da die bisherige milde Bestrafung nichts geholfen hat, es vielmehr immer schlimmer wird/" „Wie denken sich die Befürworter des Gnadengesuchs nun das zukünftige Verhalten des Grafen Pückler? Muß nicht die abermalige Begnadigung für einen Mann wie Pückler geradezu einen Anreiz bilden, seine demagogische Hetze fortzusetzen? Eine Autorität der Staatsgewalt erkennt Graf Pückler überhaupt