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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 23

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Ohne Titel]
Date
1906-01-01
Page
23 (sequence 10)
Language
German
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Umschau. 23 dazu zu mißbrauchen, überall Haß und Argwohn zu säen, durch Scheiterhausenbriese bis zu den höchsten, durch Scheiterhausenideen bis zu den niedrigsten Stellen, antisemitische Schlagworte Zu erfinden, mit denen selbst in fernen Ländern die Judenfeinde hausierten, wie Z. B. Herr Kruschewan in Rumänien und Rußland. Der „teure Gottesmann" Stöcker wird es aber vielleicht noch selbst verwünschen, daß er zürnende Worte als brennende Pfeile ausgesandt hat, die vielleicht mit dazu gedient haben, die schrecklichen Scheiterhaufen anzuZünden, die im fernen Osten emporgelodert und jetzt noch nicht ausgelöscht sind. Er sagt, ^bte Plutokrarie ist noch schlimmer als die Sozialdemokratie"; es ist nicht unsere Sache, beide zu verteidigen, aber uns ist klar, daß ein geistreicher, aber fanatischer Priester gefährlicher ist als ein Gras Pückler, in dessen Kopf die Welt sich anders malt, als sonst in Menschenköpfen. Die mit unglaublichen Rohheiten vermischten frömmelnden Reden Pücklers sind aber doch auch wieder auf die Drachensaat zurückzuführen, die Blätter, wie die „Kreuzzeitung" ausgesäet haben, wenn diese das auch nicht zugeben wollen. Die freisinnige „Königsberger Hartungsche Zeitung" schrieb dieser Tage, es sei unbegreiflich, daß angesichts der Judenverfolgungen in Rußland auch gegenwärtig noch ein Gras Pückler seine verbrecherischen Hetzereien in Berliner Versammlungen fortsetzen dürfe. Die letzte Versammlung, die er abgehalten, sei zwar polizeilich aufgelöst worden, aber erst nachdem er Oel ins Feuer gegossen habe. Darauf entgegnet die „Kreuzzeitung": „Wir waren anfangs geneigt, den Vergleich der an und für sich ziemlich harmlosen „Pückler-Versammlungen", die nur als ein amüsantes Kuriosum angesehen werden, mit den zum Durchbrechen der öffentlichen Ordnung auffordernden sozialdemokratischen Massenaufgeboten als einen schlechten Witz aufzufaffen. Aber die „Hartungsche Zeitung" meint die Sache wirklich ernst. Wir würden gar nichts dagegen haben, wenn Versammlungen der Art, wie sie Graf Pückler abhält, aus Berlin verschwinden gernacht würden, aber tragisch können wir sie beim besten Willen nicht nehmen. Davon, daß in solchen Versammlungen Oel ins Feuer gegossen werde, kann man wohl auch nicht sprechen, denn ein Feuer, durch welches das deutsche Judentum bedroht würde, ist nicht vorhanden. Unsere Juden

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