Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 21 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 21 diesem Gesichtspunkte ein etwas anderes Bild, wie es uns die deutsche Presse gewöhnlich zeigt. Es dürfte bekannt sein, daß die russische Arbeiterschaft und das russische Proletariat, unter denen sich zahlreiche Juden befinden, unter semitischer Führung nach einer lang vorbereiteten Wühlarbeit revolutionärer Geheimbünde einen so unversöhnlichen Charakter angenommen hat, daß es schließlich, wie ich fest überzeugt bin, doch noch dazu kommt, daß die Großsürstenpartei und die mit ihr verbündete Reaktion wieder die Oberhand gewinnt itfro." Nach einer Verwahrung dagegen, daß es sich bei diesen Ausführungen um antisemitische Regungen handle, wird zusammensassend nochmals behauptet, „daß das Judentum, wenigstens dasjenige, das neu in der Kulturwelt austritt, einen bedauerlichen Mangel an historischem Sinn, eine erschreckende Respektlosigkeit vor den bestehenden staatlichen Gewalten und eine ausgesprochene Neigung Zu kosmopolitischen Tendenzen ausweist." Herr Professor Dr. Biermer hat sich bisher in politischer Beziehung zum Liberalismus bekannt, weshalb sich die gesamte Antisemitenpresse sofort dazu anschickte, mit den erwähnten Aeußerungen ebenso zu hausieren, wie sie es seit Jahren mit einigen Auslassungen Moltkes und Mommsens tut, die beide die mißbrauchten Sätze später entschieden widerrufen haben. Herr Prof. l)r. Biermer wird übrigens sicher Gelegenheit erhalten, sich davon Zu überzeugen, daß die Juden „seinen Mangel an historischem Sinn" bedauern und nur eine „erschreckende Respektlosigkeit" vor dem sogenannten „Wissenschaftlichen Antisemitismus" haben, dem er, vielleicht ohne es zu wissen, verfallen ist. Der „Antisemitismus als Erzieher" macht mehr oder minder seine Zöglinge zu Gemütsmenschen; deshalb ist es nur natürlich, daß der Mann, den man vielfach als den „Vater des Antisemitismus" bezeichnet, sich stets besonders gemütvoll äußert und dies auch an seinem.siebzigsten Geburtstage getan hat. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des engeren Ausschusses des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins von dem Vizepräsidenten des Evangelischen Oberkirchenrats D. v. d. Goltz begrüßt, sagte (nach einer Mitteilung des „Mittelstand") in seiner Dankrede der „gemütstiefe" D. Adolf Stöcker: „Sie haben die Stellung Davids, wie er König war, ich etwa.