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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 20

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Ohne Titel]
Date
1906-01-01
Page
20 (sequence 7)
Language
German
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20 Im deutschen Reich. Lande haben" — sondern auch genug Elende, die andere und auch sich selbst nach russischen Vorbildern elend machen. In Wiesbaden erscheint ein dort kaum gekanntes, aber in den umliegenden Dörfern vielgelesenes Wochenblättchen, das „Neue Wiesbadener Sonntagsblatt", das die in Südrußland verübten Greuel zu rechtfertigen gesucht hat als „Explosionen von Haß und Rache des von den Juden systematisch gemarterten Volkes" als „blutige Auflehnung gegen das harte Joch, dem gegenüber der Zarismus und alles, was drum und dran hängt, wie eine weiche Binde aufliegt"! Durch ein Eingesandt, das u. a. auch die Beteiligung der christlichen Geistlichen an den Sammlungen für die russischen Opfer tadelte, ließ sich dann die Redaktion für ihre Haltung Annerkennung aussprechen, und ihrerseits pflichtete sie wieder in einer redaktionellen Anmerkung dem Einsender bei. Diese bösartige „Kulturarbeit auf dem flachen Lande" steht leider nicht vereinzelt da, in diesem Falle ist sie aber besonders bemerkenswert; denn sie geht von einem Wochenblatt aus, das nach einem Bericht der „Frankfurter Zeitung" mit einer dem nationalliberalen Abg. Bartling gehörenden Tageszeitung in einem Personal-Zusammenhang steht und selbst seinen Interessen dienstbar ist. Das würde nicht sonderlich auffallen, da die konservative Partei unverkennbar kein Patent für die Antisemiten-Gönnerschaft besitzt, aber es ist vielen auch erinnerlich, daß der nationalliüerale Abg. Bartling nach der letzten Reichstagswahl in Wiesbaden antisemitische Agitatoren, die vor der Wahl kräftig für ihn gearbeitet haben, offiziell abzuschütteln suchte. Sein Gemüt scheint also dankbarer zu sein, als er selbst Zugeben will. Aus Gießen wurde der „Frankfurter Zeitung" geschrieben: „Professor Br. Biermer, der Nationalökonom an unserer Landeshochschule, hält seit kurzem in der Aula öffentliche staatswissenschaftliche Vorträge. In seinem letzten Vorträge behandelte er das Koalitions- und Versammlungsrecht und bemerkte dabei: „In der Tat haben in allen revolutionären Bewegungen, über deren Verlauf wir hinreichend unterrichtet sind, Agitatoren und Literaten jüdischer Abstammung die Klassenverhetzung systematisch betrieben. Ich bin in der Lage, dies auf Grund von gesammelten Notizen beweisen zu können. Hier würde es zu weit führen. Auch die trostlosen und abschreckenden Vorgänge im heutigen Rußland gewinnen unter

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