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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 16

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Ohne Titel]
Date
1906-01-01
Page
16 (sequence 3)
Language
German
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16 Im deutschen Reich. regulieren will, wird den Beifall jedes Banditen haben. Die erfahrensten Fachmänner solchen Gewerbes vollziehen dies „ungeschriebene Gesetz" seit der Urväter Zeiten und finden es lukrativ. Seltsam nur, daß die Regierungen aller Länder vor den Vollstreckern solcher „Gesetze" noch immer nicht den schuldigen Respekt haben und die Erbschaftsregulatoren schnöde aufhängen, wo sie solche erwischen. Freilich, bei historischer Rückschau muß man anerkennen, daß der Junker, welcher sich mit Wegelagern und Morden sein adliges Brot erwarb, also der erlauchte Ahnherr manches Lachers im Parlament, ganz nach Räubermoral zu erben wußte, nur daß damals das Geschäft großzügiger angefaßt wurde. Man beschränkte sich nicht auf Juden, man mordete und beerbte, wen man vor die Klinge bekam. Es ist unserer frommen Zeit und dem Antisemitismus Vorbehalten geblieben, auch demMord-Erb-Handwerk eine konfessionelle Sonderung zu schaffen." Aber die Massen, die man dazu anleitet, das traurige Handwerk „konfessionell" zu betreiben, haben dafür kein Verständnis; wenn sie erst entfesselt sind, ist ihnen Achtung vor Leben und Eigentum auch getauften Wehrlosen gegenüber nicht mehr beizubringen. „Auf das II kommt gleich das W, das ist die Ordnung im ABC", läßt Schiller den Kapuziner sagen und in Rußland ist dem Uhugekrächz der schwarzen Hundert in Südrußland das tiefe „Weh in den Ostseeprovinzen" gefolgt, das jedem fühlenden Menschen das Blut erstarren macht. Von dort wird der „Voss. Ztg." berichtet: „Meilenweit ist der Himmel gerötet von den flammenden Gutshäusern; in wildem Fanatismus dringen baltische Horden auf die Deutschen ein, um sie vom Leben zum Tode zu bringen. An der einen Stelle blutig niedergeschlagen, breitet sich der Aufruhr an anderen Stellen um so unaufhaltsamer aus, und die Hilfe, wenn sie kommt, kommt meist zu spät. Vieler Orten aber kommt sie gar nicht. Denn was man heute in Rußland Regierung nennt, ist zu ohnmächtig, um Leben und Eigentum wirksam zu schützen. Es ist erschütternd, zu sehen, wie täglich deutsche Gutsherren flüchtig die Scholle verlassen, auf der ihre Ahnen gesessen haben, seit die Schwertritter oder der Deutsche Orden dies Land besiedelten, wie die Besitzer, Leiter und Arbeiter von Fabriken, die sie zu hoher Blüte gebracht hatten, sich über die deutsche Grenze retten, wie deutsche Pfarrer, die todesmutig in ihren baltischen Gemeinden ausharren, Weib und Kind ins Ausland schicken, um ihr Leben zu schützen, wie deutsche Förster dem un-

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