Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 15 haben!" Aber and). weit über die Kreise der antisemitischen Fraktionen hinaus scheint diese mitunter ebenso in Vergessenheit zu geraten, wie das Gesetz vom 3. Juli 1869, das wirklich nur noch .ein Blatt Papier" ist, wenn fernerhin der Kriegsminister sich aus die freundliche Mahnung beschränkt, sich in das Unabänderliche zu fügen, weil. im Heere der jüdische Kamerad ertragen werden müsse, und wenn ein Justizminister als Entschuldigung für die mit dem erwähnten Gesetze im schroffsten Widerspruch stehenden Vorkommnisse in seinem Ressort die „Prärogative der Krone" ins Feld führt! Dr. Henrici hat Recht; es ist eine unheilvolle Schwäche, ein Treiben länger zu dulden, das an den Grundlagen unseres Rechtsstaates rütteln will! Daß aber die Parteien, die sich die sraatserhaltenden nennen, für die Verwerflichkeit dieses Treibens das Verständnis verloren haben, zeigte ein Zwischenfall, der sich in der 10. Sitzung des Deutschen Reichstages am 12. Dezember ereignete. Bei der Generaldebatte über den Etat äußerte sich der bekannte antisemitische Abg. Liebermanu von Sonnenberg über die den jüdischen Opfern der russischen Revolution gewährte Unterstützung der gesamten „internationalen Judenschaft". Dabei sagte er wörtlich: „Bei jedem Bombenattentat sind Juden beteiligt. Sollte auch bei uns — was Gott in Gnaden verhüten möge — einmal eine soziale Revolution ausbrechen, so würde gegen die Juden nach dem ungeschriebenen Gesetze verfahren werden: Wer einen Juden totschlägt, beerbt ihn." Dazu bemerkt die Zeitschrift „Nation" treffend: „Der Leser des Parlamentsberichts erwartet bei dieser Aeußerung den Vermerk, daß ihr Kundgebungen der Verachtung aus dem Hause gefolgt seien. Statt dessen liest er den Vermerk „Heiterkeit rechts". Ist die Roheit, die in solcher „Heiterkeit" steckt, nicht ungleich schlimmer, als ein proletarischer Schimpfartikel, der die junkerlichen Hüter von Gottesfurcht und edler Sitte veranlaßt, sich in entrüsteten Reden über Preßverrohung zu ergehen?" In einem „Danditenmoral " überschriebenen Artikel begrüßt die „Breslauer Morgenuütung" das von überquellender Aufrichtigkeit strotzende Bewnntnis Liebermanns, das ihn als einen Gesinnungsbruder Pücklers kennzeichnet, und sagt: „Die Modalität, unter der Liebermann von Sonnenberg die Erbschaft gemordeter Menschen