Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Ein Jubiläum der amerikanischen Juden
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 13 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316742-2336085--14628-2336160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ein Jubiläum der amerikanischen Juden. 13 bis dahin an keine bürgerlichen Rechte irgend welcher Art gewöhnt waren, mächtig aufwärts Zur Stufe treuer, sich selbst achtender amerikanischer Bürger, Zu jenem Bürgertum, das nicht nur auf seinem Rechte besteht, sondern auch eifrig seine Pflicht anerkennt, seinen vollen Teil für die materielle, soziale und moralische Hebung des Volkes Zn tun." In der vorerwähnten Festrede hat der frühere Präsident der Vereinigten Staaten, Grover Cleveland, den Wert der jüdischen Einwanderung öffentlich anerkannt und dabei wörtlich gesagt: „Alle Nationalitäten haben zu der gemischten Bevölkerung der Vereinigten Staaten beigetragen, manche derselben in größerer Zahl, als die Juden. Es kann aber meines Erachtens ruhig behauptet werden, daß keine dieser Nationalitäten direkt oder indirekt größeren Einfluß auf die Gestaltung und die Richtung des heutigen Amerikanismus gehabt hat. Was unsere jüdischen Mitbürger für den materiellen Fortschritt den Vereinigten Staaten geleistet haben, ist in jeder Weise offenbar und muß anerkannt werden. Aber der beste und höchste Amerikanismus ist mehr wert, als der materielle. Sein Geist, der ihn unverwüstlich und unsterblich machen sollte, besteht in seinem vaterländischen Streben und seinen begeisterten Ueberlieserungen. Auch auf dieser höheren Warte unserer Neutralität und in dem Hauche veredelnder Empfindungen fühlen wir den Begriff jüdischer Wahlverwandtschaft. Ich weiß, daß menschliches Vorurteil, besonders wenn es der Rasse entstammt, hartnäckig und dauerhaft ist. Wenn aber auch anderwärts in der Welt das Vorurteil gegen die Juden noch vorhanden ist, unter der Bevölkerung der Vereinigten Staaten kann dafür kein Platz sein, sonst wäre dieses Volk unempfindlich für echte Treue, verständnislos für die grundlegenden Satzungen seiner freisinnigen Regierung, unempfindlich für jedes Vertrauen in unsere vielgerühmte Gleichheit und Bürgersreiheit. Im Geiste echt amerikanischer Gesinnung lassen Sie uns unserer Freude Ausdruck geben über das Gute, daß die heute gefeierte Ansiedelung der Nation gebracht hat, in der wir alle Sicherheit und Schutz finden. Ungestört durch die Verschiedenheiten der religiösen Bekenntnisse lassen Sie uns, unter der Leitung des Genius der Toleranz und Gleichberechtigung, uns hier inniger als je vorher widmen der gemeinsamen und hingebenden Arbeit auf dem Felde der Förderung und Erhöhung unseres Vaterlands." —