Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Ein Jubiläum der amerikanischen Juden
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 14 (sequence 4)
- Language
- German
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14 Im deutschen Reich. Wie schön wäre es, wenn ähnliche Mahnungen auch im deutschen Reiche an maßgebender Stelle laut würden, wenn die von dieser der Staatsweisheit Roosevelts oft gezollte Anerkennung dazu führte, jene Seite des Amerikanismus bei uns in Mode zu bringen! *** Umschau. Dr. Ernst Henriei, der schon bei dem Beginn der sogenannten „Berliner Bewegung" unter den antisemitischen Rufern im Streite eine Rolle spielte, kürzlich nach langjähriger Abwesenheit in die Heimat zurückkehrte und sich wieder eifrig als Mitarbeiter der „Staatsbürger-Zeitung" betätigt, möchte man Zurufen: „Du sprichst ein großes Wort gelassen aus!" Dazu veranlaßt eine kürzlich von ihm aufgeworfene Frage, die aber auch bedenklich an ein bekanntes Sprichwort erinnert, daß gewisse Leute mehr fragen, als zehn Weise beantworten können. Sie lautet: „Wozu haben wir eigentlich eine Reichsverfassung, wenn Volksvertreter unter Mißbrauch ihres Mandates deren Bestimmung einfach ignorieren. Jeder logisch denkende Mensch muß sich sagen, daß die Redefreiheit des Reichstages da anfängt, wo die Verspottung der nämlichen Verfassung, auf die der Reichstag gewählt ist, anfängt." Die Anregung des Herrn Dr. Ernst Henrici, daß jeder Abgeordnete, der der Verfassung von der Tribüne aus hohnspricht, seines Mandates verlustig gehen solle, ist offenbar nur gegen die sozialdemokratischen Abgeordneten gerichtet. Damit beweist er aber nur, daß er selbst nicht zu den logisch denkenden Menschen gehört, denn wenn seine von uns vollständig geteilte Ansicht, daß es „eine unheilvolle Schwäche wäre, ein Treiben länger zu dulden, das an den Grundlagen unseres Rechtsstaates rütteln will", allgemeine Geltung erhielte, dann müßten zu allererst die antisemitischen Abgeordneten, die für den verfassungswidrigen Ausschluß der Staatsbürger jüdischen Glaubens sprechen, ihres Mandates verlustig gehen! Diese:: Antisemiten sollte zuerst, den: Henrieischen Vorschläge entsprechend, „mit dem eisernen Kehrbesen begreiflich gemacht werden, daß wir noch eine Reichsoerfaffung