Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Ostmarken-Politik
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Ostmarken-Politik. zweifellos viel bessere, als die so vieler jüdischer Akademiker in den Großstädten. Wie mancher von ihnen sinkt in Berlin zum gelehrten Proletarier herab, dem nur noch eine reiche Heirat auf die Beine Helsen kann. Wie viele andere reiben sich in dem harten Daseinskampf und der Unsicherheit der Großstadtexistenz vorzeitig auf, statt in der Provinz einen gesicherten und stetigen, wenn auch enger gezogenen Wirkungskreis zu suchen. Denn einen solchen bieten die Städte und Städtchen, in denen früher jüdische Akademiker praktizierten, auch heute noch fast ausnahmslos. Die Solidität und Tüchtigkeit, der Scharfsinn und die Menschenfreundlichkeit jüdischer Aerzte, Anwälte usw. lebt noch überall in frischem Gedenken, und alle nationalen, konfessionellen und politischen Schranken t erden auch heute noch von dieser Hochschätzung der jüdischen Akademiker durchbrochen — so oft hört man das Landvolk nach dem „jüdischen Doktor" Zunächst fragen, wenn es mit seinen kleinen Nöten in die Stadt kommt. Die anscheinend gefährliche Konkurrenz, die akademischen Heber des Deutschtums, werden in der freien Praxis sehr leicht aus dem Felde geschlagen, weil sie von Polen und Juden mit Recht als persönliche Feinde angesehen, von den protestantischen Volksgenossen aber als Wohlratenempsänger mit den Gefühlen beobachtet werden, mit denen der Begriff des Vertrauens und der Hochachtung nicht zu vereinbaren ist." — Trotzdem nun von leitender Stelle aus stets und immer geleugnet wird, daß sie den Kampf gegen die Konfessionen führt, zeigt der ganze Verlauf, daß mit den Polen auch die Juden vernichtet werden sollen. Lohnt es sich wirklich, diese Tatsache noch durch die Pflege des gesellschaftlichen Boykotts der Juden zu beweisen? Mehr oder weniger finden wir diesen überall: nirgends aber in so abstechend häßlicher Form als in Posen. Der Herr Major kommt mit seinem Bataillon in die neue Garnison: er macht allen Honoratioren, auch den Polen (!), in Begleitung seiner Gattin seine Visite; bei dem jüdischen verheirateten Kreisarzt und ebenso bei dem Ztadtverordnetenvorsteher erscheint er — allein! Dieses Thema, welches gar zu leicht den Ernst der Judenfrage nach Osten schädigen könnte, weil die einzelnen Vorgänge, die man berücksichtigen müßte, das Gebiet des Lächerlichen streifen — von einem Juden läßt „man" sich z. B. nicht gern auf der Ztraße grüßen rc. re. — wollen wir nicht weiter ausführen.