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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 4

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
Ostmarken-Politik
Date
1906-01-01
Page
4 (sequence 4)
Language
German
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4 Im deutschen Reich. städtischen Bevölkerung ausmachten, solange waren sie nicht nur in den Zweigen des Handels, sondern auch sehr stark in denen des Handwerks zu finden und ließen kein starkes polnisches Handwerk auskommen." Erwächst dem jüdischen Kaufmann und Handwerker also steigende Gefahr in der polnischen Konkurrenz, welche durch immer neue Genossenschaften ihre Leistungsfähigkeit steigert, so wird er vollends ruiniert durch die Gewerbekreaturen, welche unter der Flagge „Hebung des Deutschtums im Osten" von dem offiziellen Deutschtum gehätschelt werden. Einem Kaufmann, dem aus irgend einem Fonds 2—3 prozentige Gelder zur Verfügung stehen, muß, zumal die Beamten eo ipso Ordre erhalten, nur bei dem Betreffenden zu kaufen, ein gefährlicher Konkurrent der anderen meist jüdischen Kaufleute werden. In der Provinz und Stadt Posen bekommen die polnischen natürlich, aber auch die jüdischen Apothekenbesitzer evangelische Konzessionskonkurrenz der jüdische Anwalt bekommt einen evangelischen an die Seite, und diesem wird natürlich sofort das Notariat als Mitgabe bescheert. Im Aerztefache soll es freilich am schlimmsten zugehen: da wird nicht einmal der jüdische Kreisarzt geschont. Auch von seinem nicht gerade fetten Brote wird ein Stück abgerissen — er bekommt durch die evangelische Organisation seine Konkurrenz. Der evangelische Arzt bekommt sofort bei seiner Niederlassung alle die Kassenstellen zugeschanzt, über welche die Regierung direkt oder durch ihren Einfluß aus die subalternen Kassenorgane verfügen kann. Ein Taschengeld aus dem Fonds des Oberpräsidenten oder des Ostmarkenvereins stützt die Existenzfähigkeit. Und es ist ein offenes Geheimnis, daß die deutschen Genossenschaften, welche ja mit dem Ostmarkenverein in Fühlung stehen, durch ihre Beamten die werbenden Agenten für die evangelischen akademischen Gewerbetreibenden sind. Wir könnten die protestantischen Organisationen noch weiter beleuchten, wie durch sie Werbung und Bekämpfung geschieht; der deutsche Jude wird zerdrückt zwischen dem antisemitischen Protestanten und dem freilich nicht minder antisemitischen Polen. Vor einigen Monaten lasen wir in der „Jüdischen Rundschau" einen Brief der Ortsgruppe Posen, in dem es u. a. heißt: „Die Erwerbsverhältnisse für jüdische Mediziner, Juristen usw. in den Ostprovinzen sind nicht gerade rosige, aber

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