Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Ostmarken-Politik
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Zur Ostmarken-Politik. 3 Ter einst in jeder Hinsicht unsolide Pole, früher das Gespött der Welt, ist durch unsere Schule zum nüchternen, tüchtigen Erwerbsmann geworden. Ihm, dem Freien, Selbstbewußten, ernst Strebenden stellt die Regierung abhängige, meist aus ihrem Fonds genährte Kreaturen als Kämpfer für das Deutschtum entgegen: Kaufleute, Handwerker und Akademiker aller Branchen. Was find sie alle mitsamt den in Massen nach dem Osten versetzten Beamten gegenüber dem reiche Werte schaffenden Polentmit? Dem Zuwachs an Protestanten in den größeren Städten, der sich meist aus Beamten zusammensetzt, bietet das Wachstum der Polen auf dem Lande ein enormes Nebergewicht. — Und wie steht es bei diesem Kampfe um die Juden? Da gibt es keine Täuschung: eine kleine Tabelle sagt alles. Man zählte in der Provinz Posen im Jahre: 1849 409 286 Protestanten, 847 670 Katholiken, 76 757 Juden; 1900 571 776 Protestanten, 1280 172 Katholiken, 35 327 Juden, Im Regierungsbezirke Posen zählte man im Jahre: 1871 281 073 Protestanten, 695 897 Katholiken, 40 224 Juden; 1895 213 054 Protestanten, 854 763 Katholiken, 25 379 Juden! Dieser Rückgang der Bevölkerungszahl der Juden läßt sich natürlich bis in die kleinsten Ortschaften hinein verfolgen. In Bojanowo gab es im Jahre 1871 1623 Protestanten, 254 Katholiken, 140 Juden; 1895 1684 Protestanten, 440 Katholiken, 54 Juden. Schrimm zählte: 1871 1322 Protestanten, 3597 Katholiken, 1127 Juden; 1895 '975 Protestanten, 4217 Katholiken, 607 Juden. Im Bezirke Posen nahmen in diesem Zeiträume die Juden um 41,4 Prozent ab!- Leo Wegeners Buch: „Ter wirtschaftliche Kampf der Deutschen mit den Polen um die Provinz Posen/' dessen erste und, soviel mir bekannt ist, leider einzige Auflage im Jahre 1903 erschienen ist, hätte bei der Regierung doch mehr Beachtung finden müssen, als es tatsächlich der Fall war. Wir können die Polenfrage hier nur insoweit besprechen, als sie mit der Judenfrage im Osten der Monarchie in Beziehung steht. Gibt es da ein klassischeres Wort als das folgende der beiden scheinbar einflußlosen Führer des Ostmarkenvereins: „Jene starke Abwanderung der Juden muß man sich nicht nur dann vor Augen halten, wenn man das Deutschtum in den Städten der Provinz Posen überhaupt, sondern auch, wenn man die einzelnen Berufe beurteilen will. Solange die Juden einen großen Anteil der