Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 668 (sequence 5)
- Language
- German
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668 Im deutschen Reich. gefühl mit den unsäglichen Leiden unserer Glaubensgenossen in Rußland herzlicher Ausdruck gegeben und dann ausi die hohe Bedeutung verwiesen wurder welche in so trüben Zeiten das durch den Central- Verern deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens neu geweckte Gefühl der Zusammengehöligkeit für die gesamten deutschen Juden habe. Hieraus hielt der Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Dr*. M. Warschauer, einen Vonrag über „Das Judentum und die Kulturarbeit," in dem er den Nachweis lieferte, daß sowohl die jüdische Religion als auch die jüdische Gesamtheit als wertvolle Faktoren für die Entwickelung der Menschheit geschätzt werden müßten. Die älteste Geschichte des jüdischen Volkes zeigt nur eine religiöse und sittliche Grundlage in ihrer großen Bedeutung für die ideale Kultur der Menschheit, während die materielle Kultur der damaligen Juden bei dem Nichlvorhandensein vonKunst, Wissenschaft und Handel eine verhältnismäßig arme gewesen sein mag. Zu dem Tempelbau Salomos, sowie für die Ausnutzung der für den Handel günstigen Lage Palästinas bedurften die Juden der Hilfe der Phönizier. Die Notwendigkeit dieser phönizischen Leitung beweist deutlich die Unrichtigkeit der Behauptung, daß die Juden von jeher Talent für Handel und Gewerbe besessen hätten. Der Mangel an Kunst und Wissenschaft wurde aber ausgeglichen durch eine hervorragende Begabung für Religion und Sittlichkeit, die sich am großartigsten durch die Propheten kund gegeben hat. Fast ebenso großartig gaben sich aber die jüdische Empfänglichkeit und Auffassungsgabe für wissenschaftliche Leistungen kund in zwei verschiedenen Perioden, in denen die Juden durch die Berührung mit dem hellenischen Kulturvolks Gelegenheit hatten, ihren Geist zu bilden und zu entfalten. Als sie, nach der von Alexander dem Großen bewirkten Verpflanzung zahlreicher Juden nach Aegypten, in Alexandrien hellenische Kunst und die geistigen Schätze der griechischen Philosophie kennen lernten, entwickelten sich bei ihnen große Talente für Kunst und Handwerke, für Schifffahrt und Handel, besonders aber ein wunderbarer. Wissensdrang. Durch die Uebersetzung der Bibel ins Griechische (Septuaginta) verbreitete sich weithin die Kenntnis der jüdischen Lehre und durch die Werke des alexandrimschen Juden Philo, die zur dogmatischen Entfaltung des Christentums beigetragen haben, ist der christliche Siegeszug des monotheistischen Gedankens wirksam vorbereitet worden. Der zweite Zeitpunkt, in dem die Juden die Kultur der Menschheit hervorragend fördern halsten, war jene mittelalterliche Epoche, in der sie in Spanien gemeinsam mit den Arabern nicht nur die Reste der griechischen Glanzzeit durch ihr Sammlertaleut und ihre UebrysitzungskunfL vor Vergessenheit schützten, 'fonbent auf dem Grunde hellenischer Weisheit