Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 669 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 669 weiter bauten, und Eigenes schufen auf dew Gebiete der Dichiknnst, der Philosophie und der Realwissenschaften. Die Poesie der Juden hi Spanien, ihre Leistungen in der Physik, Astronomie und Heilkunst haben in einer Zeit, in der es auf den Bischofsstühlen und in den Ritterburgen noch manche Analphabeten gab, gezeigt, was jüdischer Lissensdrang und Fleiß für die Kultur der Menfchheit zu leisten vermag. Biele tiefe Gedanken des Maimonides sind in den Werken Don Albertus Magnus und Thomas von Aquino nahezu wörtlich wiedergegeben und als der letzte Ausläufer der großen jüdischspanischen Deuker darf Baruch Spinoza gelten, dessen Einfluß auf den Altmeister Goethe unbestritten ist. Nur auf die traurigen politischen Zeitverhälrrnsse ist es zurückzuführen, daß sich die Juden in der Renaissance-Zeit der deutschen Humanisten nicht mehr hervorgetan haben; dafür haben sie den Wert der Buchdruckerkunst frühzeitig erkannt und zu benutzen verstanden. In der Neuzeit begann aber erst mit Moses Mendelssohn wieder eine regere Anteilnahme an dem Kulturleben der gesamten Menschheit. Was er war und leistete, wie er sich aus eigener Kraft aus dem alten Jargon zu einem mit Recht berühmten deutschen Schriftsteller emporarbeitete, ist typisch für jüdischen Fleiß und Wiffensdrang und was er anregte, Las Abstreifen der unter mittelalterlichem Druck auferlegten Geistesftsseln, war trotz einzelner rationalistischen Schlacken von dauerndem Werte. Kern Zufall war es auch, daß der große christliche Denker Kant frühzeitig bei den deutschen Juden das vollste Verständnis und in weiteren Kreisen Anerkennung fand. Der Vortragende verwies alsdann auf die Leistungen neuzeitlicher jüdischer Gelehrten (Leopold Zunz, Geiger, Grätz, Zacharias, Frankel, Sternthal, Lazarus u. a.), sowie auf den Einfluß, den zwei Juden, Marx und Lassalle, auf die soziale Bewegung gehabt haben, ein Einfluß, der, gleichviel wie man sich in politischer Beziehung zu dieser Bewegung stellen möge, doch immerhin für die große Begabung deutscher Juden Zeugnis ablege. So habe zu allen Zeiten den Juden der Drang zur kulturellen Betätigung mnegewohnt, was zweifellos darauf zurückzuführen fei, daß die jüdische Religion die Anteilnahme an den Kulturbestrebungeu der Menschheit weder verbietet noch hemmt, sondern sogar zu dieser anregt. Darin unterscheidet sie sich vorteilhaft von dem zur „Weltflucht" führenden Buddhismus, der die Kulturarbeit verwirft. Aber sie unterscheidet sich auch von den Anschauungen, die sich frühzeitig im Christentum geltend machten. Wurde dies den „Armen im Geiste" gepredigt und war es doch dem Wissen und Besitz und dem Handel und selbst der Ehe gegenüber so ungünstig gestimmt, daß es stellenweise seine