Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 666 (sequence 3)
- Language
- German
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Zm deutschen Reich. 666 zu meiden, vor Aufdringlichkeit, Prunksucht und Genußsucht uns zu' hüten,, im Verkehr und in der Abwehr von Beleidigungen eine achtunggebietende SSürb?, in geringen Dingen Ueberempfindlichkeit abzulegen, bei Angriffen aus unsere Religion oder Abstammung aber unerschrocken mannhaft für unsere Sache emzustchen haben. In dieser erziehlichen Beziehung habe der Central- Verein im Lause der wenigen Jahre seiner Existenz schon Bedeutendes geleistet, das Selbstbewußtsein der deutschen Juden gehoben, ihr Solidaritatsgefühl geweckt, besonders aber das Gefühl der Vereinsamung verbannt, denn jetzt wisse und fühle jeder deutsche Jude, daß die aus 17 000 Einzelmitgliedern und mehr als 100 korporativ angeschloffenen jüdischen Organisationen bestehende Vertretung von über 100 000 Glaubensgenossen im Central-Verein, wenn er wegen seines Glaubens angegriffen worden, sich seiner annehme, daß es doch eine Stelle gebe, wo man seine Schmerzen mitempfinde und sie möglichst zu lindern suche. Was die Rechtschntz - Kommission des Central-Vereins geleistet habe, werde in weitesten Kreisen anerkannt; das \:’%i in 18 000 Exemplaren verbreitete Vereir.sorgan biete jedem Mitgliede schätzbares Material für die Abwehr. So sei es denn eine Ehrenpflicht für jeden deutschen Juden, sich dieser Vereinigung anzuschließen, mit ihr und in ihr zu leben und zu wirken, allezeit eingedenk der Losung: Sich wehren bringt Ehren! Lebhafter Beifall folgte der etwa emfiündigen Rede. DerVsrfitzende drückte dem Vortragenden in herzlichen Worten den Dank des Vorstandes und der Versammlung aus. Je länger der Central-Ve; ein bestehe, desto umfangreicher und bedeutsamer werde für ihn die mit dem landläufigen Ausdruck der ..Innern Mission" gewöhnlich bezeichnte Ausgabe. Noch liege ein weiter Weg vor uns, den wir, ohne nach fremden Eideshelfern zu suchen, selbständig beschreiten muffen voll Selbstvertrauen und in der Ueberzeugung, daß, wenn unsere Gesammtheit keine große an Zahl, sie doch nicht ganz ohne Macht sei, die nur in der rechten Weise fest und besonnen angewandt werden müsse, um Erfolge zu erzielen. Unsere Mittel würden für längere Zeit noch für unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland in Anspruch genommen werden; auch daran müsse gedacht werden, wenn sernliegende Ansprüche an uns herantreten. Hoffentlich werde sich an die anregenden Ausführungen des Vortragenden eine lebhafte Diskmsion anschließen, die dem Vorstand des Central-Vereins stets erwünscht sei. Der gegenteiligen Behauptung eines hiesigen jüdischen Blattes, das in einer Zeit heftiger Angriffe gegen das Judentum Besseres tun sollte, als Verstimmung in jüdischen Kreisen zu erzeugen, fehle jede Begründung. In der sich anschließenden Debatte brachte Herr Kaufmann Mockry verschiedene