Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 665 (sequence 2)
- Language
- German
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VereinsnachrichLen. 665 grüßungsansprache eröffnet. Sodann erhielt das Vorstandsmitglieds Herr Dr. rned Jos. Lewy, das Wert zu einem Vortrage über „Früchte des Anüscmitismus." Der Giftbaum des Antisemitismus, fühlte der Redner aus, habe viele schädliche Früchte getragen, aber doch nicht nur solche; vielmehr seien außer den vielen bösen Folgen dieser schmählichen Bewegung auch einige gute Früchte gereift. Zu den schlimmsten Folgen des Antisemitismus gehöre die Mißachtung von Verfassung und Gesetz seitens der maßgebenden Kreise bei Vergebung öffentlicher Aemter, die Zurücksetzung der Juden bei der Justiz, der Verwaltung, im Heerwesen, im Universitäts- und Schulwesen, im gewerblichen Leben, im bürgerlichen und gesellschaftlichen Verkehr, die durch den sogenannten „wissenschaftlichen Antisemitismus" bewirkten Entstellungen und Fälschungen, und die von einem Teil der antisemitischen Pceffe neuerdings wieder gewagten Beschimpfungen unserer heiligen Religion, die hoffentlich nicht straflos bleiben würden, besonders aber die Vermehrung des Rassenhasses und die von d,m Stgate für die Charakterlosigkeit eines Religionswechsels ohne Ueberzeugrmg gebotenen und gewährten Prämien in Gestalt der den begabtesten glaubenstreuen Juden vorenthaltenen Anstellungen und Beförderungen. Wenn der Gistbaum des Antisemitismus auch ewige gute Früchte gezeitigt habe, so seien dies natürliche Folgen des Daseinskampfes gewesen. Daß sich die Inden trotz der Gegner behauptet haben, verdanken sie ihrem Mute, der durch Zurücksetzungen und schwere Prüfungen nicht zu brechen gewesen, ihrem Charakter, der durch sie gestählt wurde, ihrer Selbstzucht zu der sie sich durch böswillige Splitte: rechterer veranlaßt fühlten,- ihrem innigen Famtlienfiun, ihrer gewerblichen Emsigkeit, Sparsamkeit und Mäßigkeit, Eigenschaften, welche durch die gesellschaftliche Isolierung fast zur Notwendigkeit wurden, ihrer Duldsamkeit, die eine natürliche Folge des Abscheus vor fremder Intoleranz, und ihrer großartigen Wohltätigkeit, die den natürlichen Gegensatz konfessioneller Engherzigkeit bildet. Es werde für alle Zeiten ein Ruhmeszeugnis für die jetzige jüdische Generation bleiben, daß sie sich durch die ungerechten Anfeindungen mcht verbittern, ihre Liebe zum Vaterlande nicht abschwächen ließ, daß ihr Patriotismus ebenso unerschüttellich blieb, wie ihre Glaubenstreue. Was der Einzelne, was die Gesamtheit zur Eindämmung der nicht nur für das Judentum, sondern für das gesamte Vaterland nachteiligen Bewegung tun könne, bestehe darin, daß jeder sich dessen bewußt bleibe, wie sein Verhalten stets mit dazu beitrage, das Urteil über alle Juden zu beeinflussen, daß wir als Stiefkinder der Nation betrachtet und strenger, als alle andersgläubigen Mitbürger beurteilt werden, alles halbwegs Auffällige oder Anstößige