Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 656

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
Berlin
Date
1905-12-01
Page
656 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2316602-2316727-2316739-2335912--14514-2336012
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

656 Im deutschen Reich. Studenten den Eintritt in die meisten Korporationen versagen, Zu beseitigen. Die Verbindungen im K. C. werden in der Pflege der wahren studentischen Ideale auch ferner beharren und in der Behauptung ihrer Soudereristenz solange fonfahren, bis die ohne ihre Schuld entstandenen Ursachen geschwunden sein werden.-' Die Wahlen zum Direktorium der Akademischen Lesehalle haben am 3. Dezember ihren Anfang genommen. Das Ergebnis der Akad. Lesehallenwahlen war diesmal folgendes: Die Nationale Partei erhielt 844, die katholischen Kandidaten 207, die Freie Verwaltungspartei 256, der Verein jüdischer Studenten 231 Stimmen. Gewählt sind von der Nationalen Partei: Kundiger (Verein Deutscher Studenten), Hmnig, (Akademischer Verein für Mathematik und Physik), Puschel (nationaler Fmke), Sasse (Akademischer Ruderbund). Schmidt (V. D. St.), Ebering Mechtswiffensckast'licher Verein), Franz (Evangelischer Bund), Boese (nationaler Finke), von den Katholiken: Dobroschke, Müller, von der Verwaltungspartei: Jung, Wertheim, vom Verein jüdischer Studenten: Herzberg, Hofstein. Die „Freie deutsche Presse" berichtet: „In ihrer Nummer vom 18. November veröffentlichten die „Deutsch-sozialen Blätter" einen Artikel mit der Neberschrift „Ein freisinniger Pücklerschüler." Der „freisinnige Pücklerschüler" ist der Führer der hessischen Freisinnigen, Abg. Gurfleisch. Warum gibt ihm das AnLisemitenblatt diese Bezeichnung? Weil er auf der ueulichen Protestversammlung in Worms gegen die Politik des Abg. Heyl zu Herrnsheim gesagt hat: „Im, alten Griechenland gab es ein Gesetz, wonach ein Mann, wenn er zu mächtig geworden war, verbrannt wurde. Man möchte fast wünschen, daß ein solches Gesetz in der Gegenwart auch für Worms bestände." — liebet diese Worte ist der Artikelschreiber der „Deutsch-sozialen Blätter" Wolffhart entrüstet und meint, Abg.Gulfleisch habe Pückler übertrumpft, denn während dieser doch nurgersten habe, „dem roten Marrasse dieJacke voll Zu hauen/' fordere Gmfleisch dazu aus, den Gegner Zu „verbrennen." Dieser edle Wolffhart hat in seinem Lemonischen Grimme nicht gemerkt, daß er das Opfer eines Druckfehlers geworden ist! Das von dem Abg. Gutfieisch Zitierte griechische Gesetz schrieb nicht vor, daß die Zu mächtig gewordenen Leute verbrannt, sondern verbannt würden. Das weiß heutzutage jeder Mensch, was Ostracismus ist; das lernen die Volksschöler ebenso gut wie die Gymnasiasten. Allerdings ist es ja bei den Antisemiten mit der Bildung noch nie weit hergewesen. Man wird sich entsinnen, welche stürmische Heiterkeit es erregte, als der Abg.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.