Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 648 (sequence 17)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 648 diesen Ausführungen kam wieder der Referent Ohm an die Reihe, und schließlich wurde doch die engherzige Resolution angenommen. Die russischen Studenten in Jena haben inzwischen die von den deutschen Studenten gegen sie erhobenen Beschuldigungen für Verleumdungen erklärt und den Besuch der Vorlesungen solange eingestellt, bis ihnen durch die Universitätsbehörde ^Genugtuung" gegeben wird. Von den beiden Männern, die den leider eine ganze Generation beeinfluffenden Geist nationaler Engherzigkeit und religiöser Vorurteile großgezogen haben, Heinrich von Treitschke und Stöcker, lebt nur der letztere noch. Am II. d. M. vollendete D. Adolf Stöcker sein 70. Lebensjahr und hat von seinen Anhängern eine Ehrengabe erhalten, zu der Beiträge von dem Zentral-Bureau der Berliner Stadrmisfion in Empfang genommen wurden. Dem Bannerträger der Unduldsamkeit sind diese Gaben zu gönnen; eine führende Rolle hat er in den letzten Jahren doch nur noch in den sogen, schriftlichsozialen" Kreisen gehabt und die ihm zuteil gewordenen Huldigungen wurden reichlich durch Demütigungen aufgewogen, die nicht etwa von jüdischer, sondern von streng christlicher Seite ausgegangen sind. Wenn der Jubilar das Werk seiner Hände ehrlich prüft und sieht, weichen Unfrieden, welchen Unsegen seine Bestrebungen nicht nur für die Juden, sondern für das gesamte Volk zur Folge hatten, kann sein Lebensabend durch keine Huldigung mehr sonnig gestaltet werden. Unter demselben „christlich-sozialen" Banner hat in dem österreichisch en Nachbarstaat der Wiener Oberbürgermeister Dr. Carl Lueger den Antisemitismus zwar regierungsfähig gemacht, aber er befehdet nicht wie Stöcker ausschließlich Juden und Judentum, sondern auch die Protestanten und die nicht minder als er judenseindlichen Alldeutschen in Oesterreich. Die zu diesen österreichischen Antisemiten „Schönererischer" Observanz in nahen Beziehungen stehende Dresdener „Deutsche Wacht" erinnert daran, daß Lueger auf dem letzten österreichischen Katholikentage, als er auf die „Los von Rom-Bewegung" zu sprechen kam, stimm Fanatismus gegen Andersgläubige völlig freien Lauf ließ. Das Dresdener Blatt berichtet darüber: „Die Protestanten Oesterreichs bestehen nach ihm nur aus Pofelware und gegen das Deutsche Reich schleuderte er die schwersten Verdächtigungen. „Die Tendenz ist ganz durchsichtig," ries er aus, „Katholrken kann Preußen keine mehr brauchen und schließlich denkt doch jeder da draußen: vielleicht kriegen wir doch noch einmal die deutsch-öfter-