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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 649

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-12-01
Page
649 (sequence 18)
Language
German
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Umschau. 649 reichischm Provinzen. Darum ist der Katholizismus die beste Versicherung dagegen, daß wir Oesterreicher nicht eines schönen Tages als unfreiwillige Preußen erwachen." Das von Innsbruck nach Wien verlegte alldeutsche Blatt „Der Scherer" bezeichnet ihn als „größenwahnsinnig oder übergeschnappt" und erzählt: ^Jn einer öffentlichen Gemeinderatssitzung erklärte kürzlich der Bürgermeister Dr. Lueger: „Das Geschäft der Hütung des Deutschtums (Wiens) versteht der Lueger besser!" Das sagt der Mann, der gleich nervös wird, wenn man seine „lieben Böhm" in Wien in die ihnen gebührenden Schranken weist, der mit Hebräern Geschäfte macht und sich mit dem jüdischen Großkapital zu geschäftlichen Zwecken verbindet, der mit den Römlingen, den Erzfeinden des deutschen Volkes gemeinsame Sache macht! . . . Wer lacht da?" Das Wiener „Alldeutsche Tageblatt" knüpf, e an einen Bericht über die Berliner Tagung des „Verbandes der Deutschen Juden" bezw. an die Darlegungen über die Zurücksetzungen der Juden im deutschen Staatsdienste die Betrachtung: „In Oesterreich süht die Sache schlimmer für uns Arier: überall dringt das Judentum ein, in letzter Zeit besonders auch im Justizwesen und in der politischen Verwaltung. Wir erinnern nur an den Prozeß Beer: ein jüdischer Derhandlungsleiler. ein jüdischer Verteidiger, ein jüdischer Staatsanwalt und jüdische Geschworene. Von der Verjudung unserer Hochschulen schweigen wir." — Das ist für unsere deutschen Verhältnisse nicht sihr schmeichelhaft, jedenfalls eine ernste Warnung vor dem Ueberhandnehmen der ^alldeutschen^ Elemente, deren Raffendünkel gefährlicher ist als der Fanatismus der ,,Christlich-sozialen". Immerhin sind beide Gattungen der Judenfeinde einander wert. Bei einer christlich.sozialen Massenkundgebung am 26. November sprachen in der Wiener Volkshalle Prinz Liechtenstein und Oberbürgermeister Lueger und unter freiem Himmel mehrere christlich-soziale Abgeordnete für das allgemeine Wahlrecht. Sodann rief Lueger von der Loggia des Ratsturmes herab: „Hoch das allgemeine Wahlrecht! Nieder nut den jüdischen Sozialdemokraten I Hoch unser Vaterland Oesterreich, unsere Vaterstadt Wien!" Ein großer Zug begab sich zum Parlament, wo eine rote Fahne verbrannt wurde. Vor der Hofburg wurde die Votkshymne gesungen. Die Kundgebungen trugen zum Teile antiemitischen Charakter, da jüdische Passanten mehrfach insultiert wurden. Wie wenig Ursache die Alldeutschen haben, an dem Antisemitismus der Anhänger Lueger zu zweifeln, beweist dessen Antwort auf eine liberale Interpellation wegen einer von ihm in einer Wahlversammlung gegen die Juden gerichteten Aeußerung. Er er-

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