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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 647

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-12-01
Page
647 (sequence 16)
Language
German
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Umschau^ 647 18 nicht jüdisch find — die jüdischen können schon heute in SLaatsstellen nicht cintreten — , welche von den 18 sind nun Arier? Nur die blonden? oder die Langschädel? — Oder bezieht sich das nur auf die Grenzgebiete? Dort düifte aber die Frage wohl noch schwieriger zu beantworten sein. Wie bequem wäre es aber für die rasseechten Germanen, zu Brot zu kommen. Ihre Leistungen würden nicht mehr von Belang sein." — Je mehr wir in Deutschland dazu gelangen, den Taufschein oder den Nachweis der arischen Raffenechtheit als ein Anrecht aus Versorgung durch ein staatliches Amt anzusehen, desto bequemer werden naturgemäß die Bevorrechtigten werden, desto minderwertiger ihre Leistungen und sonstigen Qualitäten. Schon jetzt macht sich in vielen studentischen Kreisen vielfach das Bestreben geltend, die nationale Flagie einfach dazu zu gebrauchen, fähigere Mitbewerber rückstchtslos zu mrdi äugen. Vor wenigen Wochen fand zum Zweck der Erörterung der Ausländcrfrage eine Versammlung der dentschen Studenten der Jenaer Universität statt, wie dabei der cand. jur. Ohm betonte, nicht um alle auswärtigen Studenten von den deutschen Universi äten auszuschließen, sondern nur, um sich die russisch-jüdischen Studenten vom Halse zu schaffen. Geheimrat Professor Dr. Lück wies dagegen nach, daß die Russen an der Jeraer Universität sich in keiner Weise lästig gemacht hätten und warnte ernstlich vor der Pharisäerstimmung unter den deutschen Studenten, wie sie sich in der Verurteilung des sittlichen Lebens der Russen offenbar äußere, indem die Deutschen sich, auf ihre höhere Sittlichkeit etwas zugute täten nach dem Wort: „Ich danke Dir, Gott, daß ich nicht bin, wie jene Zöllner und Sünder!" Auch die Jnternationalität der Wissenschaft betonte der Redner. Ec führte aus, wir Deutschen hätten nicht nötig, in dieser engherzigen Weise uns der fremden Studenten an deutschen Universitäten zu erwehren, wir sollten vielmehr in freiem Wettbewerb uns anstrengen, mehr als die Ausländer zu leisten und selber mehr ins Ausland gehen, nach französischen, englischen und anderen Universitäten, um unseren Gesichtskreis zu erweitern und von den Fremden zu lernen, was niemandem etwas schaden könne. Vielleicht werde man später einmal lachen über diese nationale Engherzigkeit als einen überwundenen Standpunkt, so wie wir jetzt lachen über Ansichten aus der Zeit Friedrichs des Großen, oder wie wir j tzt in Süddeutschland über den antipreußischen und undeuischen Parriknlariemus hinausgekommen seien, der noch vor dreißig Jahren unter den süddeutschen Studenten als selbstverständlich galt. Nach

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